Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich zurückhaltend zu tunesischen Angaben geäußert, nach denen mindestens ein Deutscher bei dem Terroranschlag in Tunis getötet wurde. Er könne das nicht ausschließen, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in Berlin. "Gewissheit haben wir darüber noch nicht", fügte er aber hinzu. "Unsere Botschaft in Tunis arbeitet gemeinsam mit den tunesischen Behörden daran, schnellstmöglich für Aufklärung zu sorgen."

Nach Angaben des tunesischen Premierministers Habib Essid sind bei dem Anschlag mindestens 19 Menschen getötet worden, darunter 17 Ausländer und zwei Tunesier. Die Touristen stammten demnach aus Italien, Deutschland, Spanien und Polen. 24 weitere Ausländer sowie zwei Tunesier seien verletzt worden. Der polnische Parlamentspräsident Radosław Sikorski sagte einem Fernsehsender, dass sieben polnische Touristen unter den Toten seien. Nach Angaben der jeweiligen Regierungen waren unter den Toten auch drei Italiener, zwei Spanier und zwei Kolumbianer.

Zwei der Angreifer wurden bei der Erstürmung des Gebäudes erschossen, zwei bis drei weitere könnten nach Angaben Essids aber noch auf der Flucht sein. Die tunesischen Behörden fahnden nach möglichen Komplizen.

Das nahe des Anschlagsorts gelegene Parlament stellte seine Arbeit ein. Eine Abgeordnete der Ennahda-Partei sagte, die Abgeordneten seien aufgefordert worden, sich in der Versammlungshalle zusammenzufinden. Die Parlamentsmitglieder mussten eine Stunde warten, bevor sie aus dem Gebäude eskortiert wurden. Ein auf Facebook veröffentlichtes Video zeigt einige von ihnen, während sie die tunesische Nationalhymne singen.

Bewaffnete hatten am Mittag laut Essid auf dem Platz, an dem das Bardo-Museum und das Parlament liegen, willkürlich auf Touristen gefeuert und sie bis in das Museum verfolgt. Dort nahmen sie dann zahlreiche Urlauber als Geiseln. Die meisten der etwa 100 Besucher, die sich zu dieser Zeit im Museum aufhielten, konnten jedoch laut Innenministerium rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.

Tunesische Sicherheitskräfte, die das Gebäude zunächst umstellt hatten, beendeten laut Staatsfernsehen am Nachmittag die Geiselnahme. Dabei starben nach Angaben des Senders Watania zwei Terroristen und ein Polizist. Ob die übrigen Opfer bei dem Anschlag oder bei der Beendigung der Geiselnahme umkamen, war zunächst unklar.

Seit 2011 die Regierung des Diktators Zine el Abidine Ben Ali gestürzt wurde, seien aus dem Land Tausende Islamisten nach Syrien gereist. Derzeit sollen dort etwa 3.000 Tunesier für den IS kämpfen, Hunderte seien zurückgekehrt, berichtet Al Jazeera.

International stieß der Terroranschlag auf scharfe Kritik, führende Politiker sagten dem tunesischen Volk Unterstützung zu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, die Vereinten Nationen seien solidarisch mit den Menschen und den Behörden in Tunesien. Auch Bundespräsident Joachim Gauck, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und führende EU-Politiker zeigten sich entsetzt.

Auch die Bundesregierung hat den Terroranschlag verurteilt. "Dieser Anschlag galt ohne Zweifel der jungen tunesischen Demokratie", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in einer Erklärung. "Das tunesische Volk hat mehrfach gezeigt, dass es sich vom Weg zu Demokratie, Freiheit und Wohlstand nicht abbringen lässt. Deutschland steht im Kampf gegen den Terror an der Seite Tunesiens." Den Familien und Freunden der Opfer sprach die Bundesregierung ihr Mitgefühl aus.