Einer der Verdächtigen im Mordfall des Kremlkritikers Boris Nemzow hat die Beteiligung an der Tat zugegeben. Saur D. habe ein Geständnis abgelegt, sagte die Moskauer Richterin Natalja Muschnikowa russischen Agenturen zufolge. Sie ordnete an, den Beschuldigten bis zum 28. April in Untersuchungshaft zu nehmen. Doch in der öffentlichen Gerichtssitzung bezeichnet sich D. als nicht schuldig, ebenso wie der mit ihm beschuldigte Ansor G.

Bei dem Verdächtigen D. handelt es sich um einen Tschetschenen. Er war in der Teilrepublik Inguschetien im islamisch geprägten Nordkaukasus gefasst worden. Er war laut Medienberichten stellvertretender Chef einer tschetschenischen Polizeieinheit. 

Die russischen Behörden hatten am Wochenende insgesamt fünf Männer festgenommen, die im Verdacht stehen, am Nemzow-Attentat beteiligt gewesen zu sein. Die vier übrigen Verdächtigen wiesen die Anschuldigungen nach Angaben des Gerichts zurück. 

Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete, dass ein weiterer Verdächtiger bei einem Festnahmeversuch ums Leben gekommen sei. Er sei durch die Splitter einer Handgranate gestorben, die er auf Polizisten werfen wollte. Medien berichteten, der sechste Verdächtige habe sich in seiner Wohnung in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny mit einer Handgranate selbst getötet, als die Polizei ihn festnehmen wollte. Von Moskau gab es dazu keine offizielle Erklärung.

Dafür schien der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow, ein treuer Gefolgsmann Putins, diese Berichte teilweise zu bestätigen. Kadyrow wird von Menschenrechtsgruppen wegen der von ihm verantworteten Gewalt gegen Dissidenten kritisiert, die bis zu Entführung und Tötung gehen soll.

Bei politisch motivierten Verbrechen in Russland weisen offizielle Spuren häufig in den Kaukasus und vor allem nach Tschetschenien, wo die russische Armee bis 2007 noch mit 20.000 Soldaten stationiert war, um Anti-Terroroperationen gegen die dortigen islamistischen Rebellen durchzuführen.

Der Kremlkritiker Boris Nemzow war in der Nacht zum 28. Februar in unmittelbarer Nähe des Kremls in Moskau erschossen worden. Der 55-jährige Oppositionelle war mit einer ukrainischen Begleiterin auf einer Brücke unterwegs gewesen. Der Attentäter floh mit einem Auto. 

Der Fall hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Unter anderem hatte die Bundesregierung rasche Aufklärung gefordert.

Kritiker, etwa der Kreml-Experte Juri Felschtinsky, vermuten die Verantwortlichen im Umfeld der russischen Regierung. Nemzow galt als einer der wichtigsten Anführer der russischen Opposition und ein entschiedener Gegner von Präsident Putin.