Der in Saudi-Arabien inhaftierte Blogger Raif Badawi will auch nach seiner Auspeitschung nicht schweigen. Am kommenden Mittwoch erscheint in Deutschland ein Buch mit Texten von seiner Website, die inzwischen nicht mehr existiert. Das Vorwort von 1.000 Peitschenhiebe (Ullstein) hat Badawi seiner Ehefrau Ensaf Haidar aus der Haft telefonisch durchgegeben. 

"Wir konnten nicht oft sprechen, deshalb hat er es mir in Etappen diktiert", sagte Haidar. Sie betonte: "Das Buch hat mit dem Verfahren gegen Raif nichts zu tun." Ob die Veröffentlichung Einfluss darauf haben werde – positiv oder negativ – sei nicht absehbar.

Ein Strafgericht hatte den Aktivisten im Mai 2014 wegen "Beleidigung des Islams" zu 1.000 Hieben, zehn Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt. Den ersten Teil der Strafe – 50 Stockschläge – hatte er Anfang Januar vor einer Moschee in der Stadt Dschidda erhalten. Der Fall hatte international für Aufsehen gesorgt, die Vollstreckung der Strafe wurde dann aus gesundheitlichen Gründen ausgesetzt.

Er habe die 50 Hiebe, die ihm binnen weniger Minuten verabreicht worden waren, "auf wundersame Weise" überlebt, heißt es in dem Vorwort, das der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe abdruckt. "All dieses grausame Leid ist mir nur widerfahren, weil ich meine Meinung ausgedrückt habe."

Auswärtiges Amt war gegen Veröffentlichung

Der Prozess gegen den 31-Jährigen soll womöglich demnächst neu aufgerollt werden. "Bis jetzt wissen wir nichts. Es gibt noch kein Datum für einen neuen Prozess", erklärte Haidar, die inzwischen als politischer Flüchtling mit ihren drei Kindern in Kanada lebt. Die Familie wird nach Angaben des Herausgebers, Constantin Schreiber, einen Großteil des Erlöses aus den Buchverkäufen erhalten.

Der Verlag hatte nach Angaben einer Sprecherin das Auswärtige Amt um eine Einschätzung zu dem Buchprojekt gebeten. Demnach habe das Amt mit Blick auf diplomatische Initiativen für eine Freilassung Badawis von einer Veröffentlichung zum geplanten Termin abgeraten. Das Ehepaar habe aber daran festhalten wollen. "Die Ansicht des Auswärtigen Amtes hatte für uns Gewicht, doch entscheidend war der Wunsch des Autors und seiner Frau", sagte die Sprecherin. Das Auswärtige Amt nahm nicht offiziell Stellung.