Gregor Gysi, der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, spricht im Parlament über die Griechenlandhilfe der EU. © Tim Brakemeier/dpa

Der Oppositionsführer im Bundestag, Linksfraktionschef Gregor Gysi, sieht einen berechtigten Anspruch der Griechen auf Reparationszahlungen von bis zu elf Milliarden Euro. Das sagte er in einem Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung (Montagsausgabe).

Über den Schuldenausgleich aus der Zeit der NS-Besatzung müsse zumindest geredet werden, forderte Gysi. Das Verhalten der Bundesregierung, die keine Gesprächsbereitschaft zeige, bezeichnete er als unfair.

Damals habe Nazi-Deutschland der griechischen Nationalbank eine Zwangsanleihe von 476 Millionen Reichsmark abgepresst. Dieses Darlehen sei nicht zurückgezahlt worden.

"Wie will man jetzt von Griechenland die Rückzahlung von Darlehen verlangen, wenn man eigene niemals zurückgezahlt hat?" Unter Berücksichtigung der Zinsen habe Griechenland "eine meiner Meinung nach berechtigte Forderung in Höhe von acht bis elf Milliarden Euro", sagte Gysi.

Pfändung deutscher Immobilien möglich

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte die Bundesrepublik aufgefordert, eine Milliardenzahlung an Reparationen und Entschädigungen zu leisten. Er warf Deutschland vor, sich mit rechtlichen Tricks seit Jahrzehnten vor Reparationen wegen der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg zu drücken. Die Bundesregierung hat die Vorwürfe zurückgewiesen

Der griechische Justizminister Nikos Paraskevopoulos hatte damit gedroht, deutsche Immobilien pfänden zu lassen, sollte es zwischen seiner Regierung und der in Berlin zu keiner Einigung kommen.

Zu den Reparationsforderungen gibt es bereits eine griechische Studie. Laut der Athener Zeitung To Vima werden die Gesamtforderungen darin in einer Höhe zwischen 269 und 332 Milliarden Euro beziffert.  

Athen droht das Geld auszugehen

Die griechische Regierung befürchtet unterdessen, dass ihr Ende März das Geld ausgeht. Ministerpräsident Alexis Tsipras habe das gegenüber dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), geäußert, als sich beide am Freitag in Brüssel trafen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Demnach forderte Tsipras, die EZB solle den Rahmen für kurzfristige Staatsanleihen um zwei bis drei Milliarden Euro erhöhen.

"Tsipras braucht dringend Geld", sagte Schulz nach dem Treffen. "Dafür muss er die Eurogruppe und die EZB von seinem Reformwillen überzeugen, und zwar schon nächste Woche."

Schulz und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker drängten Tsipras dazu, einen Brief an die Eurogruppe schreiben, in dem Athen sich zu Privatisierungen, zum Eintreiben von Steuern und zum Aufbau eines Katasterwesens bekennt. Tsipras habe dies in allgemeiner Form zugesagt, berichtet die Zeitung.

Gehälter von Staatsbediensteten in Gefahr

Athen muss kommende Woche zwei Kredittranchen an den IWF zurückzahlen, insgesamt fast eine Milliarde Euro. Außerdem muss Griechenland 1,6 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen, um eine auslaufende Staatsanleihe zu ersetzen.

Dem Medienbericht zufolge müssen die Griechen damit rechnen, dass ihre Regierung am Monatsende Renten und Gehälter von Staatsbediensteten nicht mehr voll auszahlen kann.