Proteste vor der Petrobras-Zentrale in Rio de Janeiro © Sergio Moraes/Reuters

In einer national übertragenen Fernsehansprache hat Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff um "Geduld und Verständnis" für die von ihr geplanten Einsparungen gebeten, auch wenn jeder das Recht habe, verärgert oder besorgt zu sein. Sie sprach von "einigen vorübergehenden Opfern" für alle. 

"Wir sind in der zweiten Etappe des Kampfes gegen die schlimmste internationale Krise seit der Großen Depression 1929", sagte Rousseff, die im Januar ihre zweite Amtszeit angetreten hatte.

Die Bewohner der wohlhabenden Viertel in São Paulo, Rio de Janeiro und Belo Horizonte reagierten umgehend, sie buhten und schlugen während der Rede auf Pfannen und Kochtöpfe. Einige schrien aus ihren Fenstern Beleidigungen gegen die Präsidentin, andere protestierten, indem sie mehrfach das Licht ein- und ausschalteten oder mit Plastiktrompeten Krach schlugen.

Auf YouTube wurden Dutzende von Protestvideos aus mindestens zwölf großen brasilianischen Städten registriert. Zahlreiche Demonstranten schrien laut: "Dilma raus!" Da die Rede Rousseffs bereits vor einer Woche angekündigt worden war, nutzten Regierungsgegner die Zeit, um über Facebook und WhatsApp zu lautstarken Protesten während der Rede aufzurufen.  

Inflation von 7,7 Prozent

Die Regierung hatte zuletzt unter anderem Haushaltskürzungen und die Aufhebung von Steuererleichterungen angekündigt. 2014 dürfte die Wirtschaft des Landes nur gering gewachsen sein, und 2015 rechnen Experten mit einem leichten Rückgang. Die Inflation lag dagegen im Februar im Zwölfmonats-Zeitraum bei 7,7 Prozent. Das war der höchste Stand seit 2005. Zudem ist der heimische Real gegenüber dem Dollar massiv eingebrochen.

Zudem kämpft die Präsidentin mit den Folgen des Petrobras-Skandals, in den Politiker ihres Regierungsbündnisses verwickelt sind. Der Ölkonzern soll Brasiliens Regierungsvorhaben finanzieren.

Zu weiteren Protesten gegen die Regierung Rousseff haben ihre Gegner für den 15. März aufgerufen. Seit 2013 hat Brasilien keine derartigen  Massendemonstrationen mehr erlebt. Damals gingen Zehntausende auf die Straße, um gegen Fahrpreiserhöhungen und die hohen Ausgaben für die Fußballweltmeisterschaft zu protestieren.