Russland will als Teil seiner derzeit laufenden Großmanöver Raketen sowie Langstreckenbomber an einigen Außengrenzen stationieren. Das bestätigte ein Beamter des russischen Verteidigungsministeriums. Unter anderem sollen Iskander-Raketen in der Exklave Kaliningrad aufgestellt werden, die an die Nato-Länder Polen und Litauen grenzt. Dieser Raketentyp der jüngsten Generation kann auch mit nuklearen Sprengköpfen versehen werden und trifft Ziele in einer Entfernung von bis zu 500 Kilometern. Auf die Schwarzmeerhalbinsel Krim, die Russland vor einem Jahr von der Ukraine annektierte, sollen zudem Langstreckenbomber vom Typ Tu-22M3 geschickt werden. 

Unklar bleibt, wie lange die Raketen in Kaliningrad stationiert werden sollen. Russland hatte bereits mehrfach damit gedroht, Iskander-Raketen in Kaliningrad aufzustellen, um auf die Verteidigungspläne der Nato zu reagieren. Im vergangenen Dezember wurden bereits einige dieser Raketen dort kurz aufgestellt, dann aber wieder zurückgezogen. In Kaliningrad stationierte Raketen könnten Ziele in mehreren Nato-Mitgliederstaaten treffen. Einige Beobachter meinen, Moskau könne den Ukraine-Konflikt nutzen, um die Raketen nun dauerhaft zu stationieren.

Die polnische Regierungschefin Ewa Kopacz deutete diesen Schritt als Drohgebärde Russlands, um Druck auf die EU-Staaten auszuüben, bevor diese über neue Sanktionen gegen Russland beraten. "Russland macht diese Geste vor dem Treffen des Europäischen Rates", sagte Kopacz im Bezug auf den Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag in Brüssel. Der lettische Außenminister Edgards Rinkevics sagte allerdings, er rechne nicht damit, dass auf dem Gipfel über neue Strafmaßnahmen gesprochen oder entschieden werde. Lettland hat derzeit turnusgemäß die EU-Präsidentschaft inne.

Truppen in höchster Gefechtsbereitschaft

Am Montag hatte Präsident Wladimir Putin ein fünftägiges Manöver im Nordpolarmeer angeordnet. Aber auch in anderen Landesteilen wie Südsibirien und Südwestrussland finden Übungen statt. Daran beteiligt sein sollen 38.000 Soldaten, mehr als 50 Schiffe und U-Boote sowie 110 Flugzeuge. Ziel sei es, die Bereitschaft der russischen Nordmeerflotte zu überprüfen und die Fähigkeit des Militärs zu testen, zusätzliche Kräfte aus Zentral-Russland zu entsenden. 

Vizeverteidigungsminister Anatoli Antonow sagte, Russland habe seine Partner "als Zeichen des guten Willens" über die Manöver informiert. Aus dem Verteidigungsministerium in Moskau hieß es zudem, Teile der russischen Streitkräfte seien am Dienstag im Rahmen der Manöver in höchste Gefechtsbereitschaft versetzt worden. Davon betroffen seien Einheiten der Ostseeflotte, des südlichen Militärbereichs und Luftwaffeneinheiten. Einige Kriegsschiffe hätten die Barentssee, ein Randmeer des Nordpolarmeeres, erreicht.

Zu den Manövern auf der Krim sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow, diese seien alle völlig legal. Die Krim sei seit über 200 Jahren Sitz der russischen Schwarzmeerflotte.

Nato-Länder bereiten Manöver in baltischen Staaten vor

Kopacz sagte, man solle angesichts der russischen Manöver nicht in Panik geraten. "Das wird von den Streitkräften auf allen Ebenen aufmerksam beobachtet, ebenso wie die Aktivität, die wir schon seit längerer Zeit im Ostseeraum bemerken. Das ist aber kein Grund, eine höhere Alarmstufe auszurufen", sagte die Regierungschefin. Der polnische Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak kündigte an, Flugabwehrraketen vom Typ Patriot würden im Laufe des Märzes für Übungen nach Polen gebracht. Daran sollen nach früheren Angaben in diesem Jahr rund 10.000 ausländische Soldaten teilnehmen – so viele wie nie zuvor.

An den Manövern im Baltikum werden unter anderem die US-Streitkräfte beteiligt sein. Im Hafen von Bremerhaven wurde weiteres US-Militärgerät für Übungen in Osteuropa entladen. Die per Schiff nach Deutschland gebrachten Panzer, Gelände- und Lastwagen werden seit Tagen unter hohen Sicherheitsvorkehrungen zur Weiterfahrt auf Züge umgehoben. Zudem wurden Transporthubschrauber entladen. Insgesamt wollen die USA etwa 3.000 Soldaten zu Manövern in die baltischen Staaten schicken. Die Fahrzeuge und Hubschrauber sollen für Übungen in mehreren europäischen Ländern wie Polen, Bulgarien, Slowenien und Estland genutzt werden.