Eine Woche nach dem Mord an dem russischen Dissidenten Boris Nemzow sind zwei Verdächtige festgenommen worden. Dies teilten Moskauer Behörden mit. Die beiden inhaftierten Männer stammten aus dem Kaukasus, sagte der Leiter des Inlandsgeheimdiensts FSB, Nikolai Bortnikow. Ob einer von ihnen als Todesschütze verdächtigt wird, blieb aber offen. Präsident Wladimir Putin sei informiert worden. "Die operativen und notwendigen Ermittlungen dauern an", sagte Bortnikow.

Medienberichten zufolge wurden die Verdächtigen in das Moskauer Hochsicherheitsgefängnis Lefortowo gebracht. Spätestens am Montag soll demnach ein Gericht entscheiden, ob sie in Untersuchungshaft kommen.

Nemzows Mitstreiter Ilja Jaschin sagte nach der Mitteilung über die Festnahmen: "Wir hoffen, dass die Festgenommenen wirklich die sind, die mit dem Mord etwas zu tun haben, dass dies kein Fehler ist." 

Kreml wertet Nemzow-Mord als Provokation

Der 55-jährige Oppositionspolitiker Nemzow war am 27. Februar in der Nähe der Kremlmauer von einem Unbekannten hinterrücks erschossen worden. Putin hatte nach dem Mord eine Aufklärung des Verbrechens angekündigt, die russischen Behörden setzten für Hinweise auf die Täter eine Belohnung in Höhe von umgerechnet 43.000 Euro aus. 

Der Kreml hatte die Tat als eine gegen die Regierung gerichtete "Provokation" bezeichnet. Die russischen Behörden gehen von einem politisch motivierten Auftragsmord aus und verfolgen unterschiedliche Spuren, unter anderem mit nationalistischem oder islamistischem Hintergrund. Das Ermittlungskomitee nannte den Mord einen "Versuch zur Destabilisierung der politischen Lage im Land".    

Opposition beschuldigt den Kreml

Die Opposition warf der Regierung hingegen vor, zumindest mitverantwortlich für die Tat zu sein. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Oppositionelle ermordet, etwa die Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa oder die Journalistin Anna Politkowskaja. Viele dieser Morde wurden nie aufgeklärt.

Nemzow war ein scharfer Gegner von Präsident Putin. Er hatte die prowestlichen Proteste in der Ukraine auf dem Maidan in Kiew befürwortet und die Hoffnung geäußert, dass der Funken der Revolution auf Russland überspringt. Weil er gegen Haftstrafen für Putin-Gegner auf die Straße gegangen war, musste er vor einem Jahr selbst für mehrere Tage ins Gefängnis. Unter dem ehemaligen Präsidenten Boris Jelzin war er in den Jahren 1997 und 1998 Vizeregierungschef.

Nemzow soll an einem Bericht über den Krieg in der Ukraine gearbeitet haben, der offenbar kurz vor der Veröffentlichung stand. Darin wollte er unter anderem Beweise für die Präsenz russischer Truppen in den von den Separatisten besetzen Gebieten anführen. Der Kreml bestreitet nach wie vor, dass russische Truppen in der Ukraine stationiert sind.  

Der Mord an Boris Nemzow hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Unter anderem die Bundesregierung hatte rasche Aufklärung gefordert.