Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat sich nach seinem Auftritt in der ARD-Sendung Günther Jauch auf Twitter zu der Stinkefinger-Debatte geäußert. "Und hier ist das Video, das nicht von skrupellosen Medien bearbeitet wurde", twitterte Varoufakis in der Nacht auf Dienstag und verlinkte das knapp 60-minütige Video seines kompletten Auftritts bei einer Konferenz in Zagreb.     

Der Stinkefinger ist auch in diesem Video zu sehen (Minute 40:30). Allerdings empfindet Varoufakis die Szene offenbar bei Jauch aus dem Zusammenhang gerissen. Mit der Frage "Jemand an der Wahrheit interessiert?" verweist Varoufakis auf Twitter auf ein Interview, das die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit dem Veranstalter der Konferenz, dem Philosophen Srecko Horvat, geführt hat. Dieser vertritt die Meinung, dass Varoufakis den Mittelfinger nicht gegen die Deutschen ausgestreckt hat. "Sein Argument lautete, Griechenland hätte damals gegenüber den privaten Gläubigern in Konkurs gehen sollen, statt sich von den europäischen Partnern einen riesigen Kredit geben zu lassen", sagte Horvat.

In der Diskussionsrunde von Günther Jauch war Varoufakis am Sonntagabend live aus Athen zugeschaltet. Nachdem das Stinkefinger-Video eingespielt worden war, hatte Varoufakis gesagt: "Ich habe diesen Finger nicht gezeigt, er ist hineinmontiert worden." Varoufakis' Dolmetscher übersetzt: "Es ist nicht so. Das Foto ist von der Konferenz, aber der Finger ist hineinmontiert worden. Das sage ich Ihnen ohne jeden Zweifel fest zu. Das hat es nicht gegeben." Varoufakis trat Mitte Mai 2013 auf einer Konferenz in Zagreb auf. Damals war er noch nicht Finanzminister, sondern arbeitete als Ökonom und als oft im Ausland zitierter Griechenland-Experte.

Jauchs Produktionsfirma hatte bereits am Montagabend mitgeteilt, dass der Videoausschnitt "nach Aussage verschiedener Medienexperten und Netzforensiker keinerlei Hinweis auf eine Manipulation oder Fälschung" enthalte.