Marine Le Pen auf Wahlkampftour in Avignon © Claude Paris/AP

Mehr als 43 Millionen Franzosen sind heute dazu aufgerufen, bei der mit Spannung erwarteten ersten Runde der Kommunalwahlen ihre Stimme abzugeben. Das Ergebnis ist von großer innenpolitischer Bedeutung. Schneidet der Front National (FN) bei den Départementswahlen gut ab, könnte das auch die Position von Marine Le Pen vor den Präsidentschaftswahlen 2017 stärken. Ein Erfolg ihrer Partei gilt als wahrscheinlich und zeigt, wie weit die französische Gesellschaft inzwischen nach rechts gerückt ist. Die Parteichefin des Front National steht zwar nicht auf dem Wahlzettel, sie dürfte nach Meinung von Wahlbeobachtern aber im Fokus vieler Wähler sein. Nach jüngsten Umfragen könnte die rechtsextreme Partei von Le Pen mit knapp 30 Prozent zur stärksten Kraft werden.

Der sozialistischen Partei (PS) von Staatspräsident François Hollande und Regierungschef Manuel Valls droht nach dem Debakel bei der Europawahl im vergangenen Jahr eine weitere vernichtende Niederlage. Die zerstrittene Linke könnte Dutzende der 61 Départements verlieren, die derzeit in ihrer Hand sind. Der Aufstieg der Rechtsextremen in Frankreich macht der Regierung Angst. Er habe "Angst", dass Frankreich am FN "zerbricht", sagte Valls.

Der Front National gilt als einwanderungskritisch. Le Pen dementiert, dass der Front National rechtsextrem sei. Stattdessen nennt sie sich und ihre Unterstützer "Patrioten". Die Partei will, dass das Land aus der Europäischen Union und der Eurozone austritt. Diese harte Linie hat die Parteichefin scheint in Frankreich anzukommen. Den Anschlag auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo wertete Le Pen als Kriegserklärung der Islamisten gegen ihr Land. Frankreich solle nun in den "Krieg gegen den Fundamentalismus" ziehen, so Le Pen.

Ein weiterer Gewinner der Wahl könnte Nicolas Sarkozy mit seiner konservativen UMP-Partei werden. Zwischen Le Pens Front National sowie der UMP dürfte es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen kommen, denn auch Sarkozys konservative Partei geht mit besten Aussichten in die Wahl. Sarkozy wird nachgesagt, eine erneute Kandidatur im Kampf um den Élysée-Palast vorzubereiten. Gut zwei Jahre vor der nächsten Wahl eines Staatspräsidenten kann er bei den Départementswahlen seine Überzeugungskraft testen. Sarkozy versucht als Alternative zum Front National aufzutreten. "So lange ich Chef der UMP bin, will ich keine einzige Abmachung mit dem Front National," sagte Sarkozy. Dennoch scheint er manche Position Le Pens zu kopieren. Zuletzt sprach er sich zum Beispiel dafür aus, das Kopftuchverbot in Frankreich auf Universitäten auszuweiten.

Um acht Uhr beginnen die Wahlen. Gewählt wird in den 96 Kreisen des Landes und den fünf Übersee-Départements.