Sitzung des EU-Parlaments am 15. April © Virginia Mayo/AP/dpa

Das Europaparlament hat die Türkei aufgefordert, die Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anzuerkennen. Mit breiter Mehrheit stimmten die Abgeordneten der EU-Vertretung für eine entsprechende Resolution, die Ankara zu diesem Schritt ermutigt. Die Anerkennung soll dem Papier zufolge den Weg für eine "aufrichtige Aussöhnung zwischen dem türkischen und dem armenischen Volk" ebnen.

Armenien zufolge ist der Tod von bis zu 1,5 Millionen Landsleuten während des Ersten Weltkriegs einer gezielten Vernichtungskampagne des Osmanischen Reiches geschuldet – dem Vorgängerstaat der Türkei. Die Türkei allerdings verbittet sich den Begriff "Völkermord" und spricht dagegen von einigen Hunderttausend Toten durch Kämpfe und Hungersnöte auf beiden Seiten. Das Europaparlament bezeichnet die Ereignisse schon seit 1987 offiziell als Völkermord und schließt sich damit der Haltung zahlreicher Historiker und EU-Staaten an.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte die Bedeutung der Parlamentsresolution zuvor als gering eingeschätzt. "Das geht bei uns an einem Ohr rein und am anderen wieder raus", sagte der türkische Präsident. Die Türkei habe "keine solche Sünde, kein solches Verbrechen" begangen.

Zuvor hatte Erdoğan Papst Franziskus die Verbreitung von "Unsinn" vorgeworfen, als dieser in einer Messe von "Völkermord" an den Armeniern sprach. "Verehrter Papst: Ich verurteile diesen Fehler und warne davor, ihn noch einmal zu begehen", sagte Erdoğan. Wenn Politiker und religiöse Oberhäupter die Rolle von Historikern übernähmen, käme nur Unsinn heraus, sagte er.

Auch die Bundesregierung spricht bislang offiziell von "Vertreibung und Massakern". Der Bundestag will am 24. April des 100. Jahrestages der Gräueltaten an den Armeniern gedenken. SPD und Union haben einen Antrag unter dem Titel "Erinnerung und Gedenken an die Vertreibung und Massaker an den Armeniern vor 100 Jahren" gestellt. Grünen- und Linke-Politiker hatten die große Koalition in Anträgen aufgerufen, von Genozid zu sprechen.