Regierungschef Alexander Stubb und Zentrums-Chef Juha Sipilä © Reuters/Heikki Saukkomaa/Lehtikuva

Aus der Parlamentswahl in Finnland ist die oppositionelle Zentrumspartei als Siegerin hervorgegangen. "Wir haben die Wahlen gewonnen", sagt Juha Sipilä von der liberalen Zentrumspartei, als am Sonntagabend mehr als 90 Prozent der Stimmen ausgezählt sind.

Wenig später bestätigt das vorläufige Endergebnis: Die Zentrumspartei gewinnt mit 21,1 Prozent die Wahl und liegt damit nur knapp vor Konservativen, Populisten und Sozialdemokraten. Sie verfügt künftig über 48 der 200 Parlamentssitze und stellt den Ministerpräsidenten. Der Geschäftsmann und Millionär Sipilä ist auf Koalitionspartner angewiesen. Dafür kommen die beiden abgewählten Regierungsparteien, die konservative Nationale Sammlungspartei und die Sozialdemokraten sowie die euroskeptische Partei Die Finnen infrage.

Bisher wurde Finnland von einem Vier-Parteien-Bündnis unter dem konservativen Ministerpräsidenten Alexander Stubb regiert. Dieser hat seine Niederlage bereits eingestanden. Die Opposition habe den Sieg errungen, erklärte Stubb am Abend im finnischen Fernsehen. "Juha, mach Dich bereit, das ist kein einfacher Job", sagte Stubb an seinen Nachfolger gewandt.

Laut den Zahlen des Rundfunksenders Yle landete die Partei von Amtsinhaber Stubb bei 18,2 Prozent, die Partei der Finnen bei 17,6 Prozent. Sie blieb damit hinter den eigenen Erwartungen zurück, könnte allerdings Koalitionspartner werden.

Zuvor wollte sich Sipilä lange nicht zu den Hochrechnungen äußern. Er sei zwar zufrieden mit den Ergebnissen, sagte der liberale Politiker. Aber: "Ich bin Pessimist und will nicht enttäuscht werden." Er hatte im Wahlkampf versprochen, die Wirtschaft des Landes nach drei Jahren Rezession und Stagnation wieder in Schwung zu bringen. "Unser Land verdient Besseres", hatte Sipilä in seinem Blog geschrieben. "Die Politik muss zu einem Klima des Vertrauens zurückkehren."

Das regierende Bündnis steht wegen der Wirtschaftskrise in der Kritik. Die Arbeitslosenquote in Finnland liegt derzeit bei 9,2 Prozent – die höchste Rate seit 2003. Die Regierung war wiederholt durch Dispute zwischen den Koalitionspartnern gelähmt worden. Ministerpräsident Stubb hatte ihre Führung erst im vergangenen Juni übernommen, als der bisherige Regierungschef Jyrki Katainen in die EU-Kommission wechselte.

Die Zentrumspartei hat in Finnland bereits zwölfmal den Ministerpräsidenten gestellt und dreimal den Staatschef. Im Jahr 2011 war sie aber nach zehn Jahren an der Regierung abgewählt worden und in die Opposition gegangen. Sipilä gehört der Partei seit Jugendtagen an, ging aber erst spät in die Politik. Nach seiner Wahl ins Parlament 2011 übernahm er nach nur einem Jahr die Parteiführung, wobei er von der Umbildung der Partei nach der Niederlage 2011 profitierte.

Sipilä war den meisten Finnen kaum bekannt, als er 2012 die Führung der Zentrumspartei übernahm. Während des Wahlkampfs strich der Millionär seine Erfahrung als Firmenlenker heraus. Sipilä steht mit für die Generation von Unternehmern, die Finnland in den 1990er Jahren zum Technologieriesen machten. 1992 übernahm er den Vorstandsvorsitz der IT-Firma Solitra, zwei Jahre später wurde er Haupteigentümer. 1996 verkaufte er die Firma laut Presseberichten für zwölf Millionen Euro an einen US-Konzern. Daraufhin wechselte er in die Finanz- und Bioenergiesektoren.

Beobachter rechnen mit einer schwierigen und langwierigen Regierungsbildung. Der proeuropäische Politiker hat sich nicht zu seinen bevorzugten Koalitionspartnern geäußert, aber versprochen, eine funktionsfähige Koalition zu bilden, die effizienter arbeitet als ihre Vorgängerin.