Jeb, also der dritte Bush im Weißen Haus? Oder wieder Clinton, diesmal Hillary? Es wäre nicht überraschend, wenn die US-Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr darauf hinausliefe. Unglaublich öde: Namen, die jeder kennt; nichts Frisches, Revolutionäres schon gar nicht.

Wobei ja auch mit anderen Kandidaten nicht gewährleistet wäre, dass sich wirklich etwas ändert. Das starre amerikanische Zwei-Parteien-System hat allzu oft wenig unterscheidbare Alternativen auf den Wahlzettel gebracht. Doch politische Dynastien wie Bush oder Clinton tragen den Überdruss schon im Namen. Warum ist die Chance, dass sich die Macht in der Familie vererbt, offenbar dennoch groß? Die Amerikaner erleben das nicht zum ersten Mal: die Kennedys, die Adams', die Roosevelts – das geht schon seit Jahrhunderten so.

Barbara Bush – First Lady neben George H. W., Mutter des Präsidenten George W. und eben auch von Jeb Bush, der nun hofft, für die Republikaner antreten zu können –, selbst sie, deren Familie gewiss schon jetzt eine Dynastie darstellt, freut das nicht nur: "Wenn wir nicht mehr als zwei oder drei Familien finden können, die sich für hohe Ämter bewerben, ist das dämlich", sagte sie im vergangenen Jahr, als mehr und mehr davon die Rede war, ihr Sohn Jeb könne einer der wahrscheinlichsten Anwärter auf das Präsidentenamt sein. "Wir hatten genug Bush im Weißen Haus."

Inzwischen sieht sie seine Kandidatur deutlich positiver und nennt ihren Sohn "die am besten dafür qualifizierte Person im ganzen Land". Aber Mutter Bush trifft mit ihrer anfänglichen Skepsis den Kern der Sache: Die Clintons und Bushs sind schwere Wiederholungstäter. Amerikaner, die jünger als 38 Jahre alt sind, haben in ihrem Leben nur eine Wahl erlebt (2012), bei der kein Mitglied dieser Familien Präsident oder Vizepräsident werden wollte. Ganz zu schweigen von Senatoren-, Gouverneurs- und Ministerposten, die den Eindruck festigen: Hier halten sich Macht und Einfluss auf eine Art, die Fragen aufwirft.

In diesem Land kann es jeder nach oben schaffen, bis ins Präsidentenamt – aber manchen fällt es eben leichter. Bill Clinton wäre durchaus ein Beispiel dafür, dass der Weg auch aus einfachen Verhältnissen ins Weiße Haus führen kann. Sieht man einmal davon ab, dass der vermögende Bruder seines ganz und gar nicht vermögenden Stiefvaters ihm nicht nur den Start in ein exzellentes Studium ermöglichte, sondern auch half, seine ersten Schritte in die Politik zu finanzieren. Bei den Bushs dürfte der Einfluss des Geldes größer gewesen sein: Der erste Präsident aus der Familie, George H.W., brachte es im Ölgeschäft schon mit 40 zum Millionär. Sein Vater Prescott Sheldon Bush war Senator. Beides dürfte den Aufstieg zur Macht erleichtert haben.

Die Hälfte der Freunde geerbt – und alle Feinde

Doch hier soll es ja nicht darum gehen, unter welchen Bedingungen erstmals ein Familienmitglied Präsident werden konnte. Die Frage ist vielmehr, warum es von Vorteil ist, wenn dies einem nahen Verwandten bereits zuvor gelungen ist, oder im Falle der Bushs sogar zweien.

Ein begünstigender Faktor leitet sich aus dem politischen System ab: Parteiloyalitäten sind zwar wichtig für den Wahlausgang, doch Republikaner und Demokraten sind keine mitgliederstarken Volksparteien, die die politische Willensbildung umfassend strukturieren. Die Person ist entscheidend, über die Kandidatur bestimmt das Wahlvolk, nicht die Partei. Und auch programmatisch muss es keine hundertprozentige Übereinstimmung geben. Unter diesen Voraussetzungen bekommt eine gewisse Prominenz große Bedeutung, der Name eines früheren Präsidenten hilft da ungemein.

Gut für Jeb Bush. Gut für Hillary Clinton. Jedenfalls dann, wenn sie zwei Negativaspekte der Bekanntheit ihrer Familien überwinden können: Natürlich kann konstante Präsenz schnell in Ermüdung umschlagen. Und sie werden nicht nur mit den positiven Erinnerungen an ihre Vorgänger in Verbindung gebracht. "Ich habe die Hälfte der Freunde meines Vaters geerbt und all seine Feinde", sagte George W. Bush im Jahr 2000 während seines Präsidentschaftswahlkampfs. Seinem Bruder dürfte er noch ein paar zusätzliche Gegner verschafft haben.

Aber die Freunde sind wahrscheinlich wichtiger. Also die richtigen, die mit dem Geld und den Kontakten. Das war immer so, trifft heute aber noch mehr zu: Denn die Wahlkampfmaschine, die die Kandidaten anwerfen, um die Amerikaner zu überzeugen, ist milliardenschwer – finanziert aus Spenden von reichen Privatleuten und Unternehmen, und jede neue Wahl wird die teuerste aller Zeiten. Auch mit unzähligen Kleinstzuwendungen einfacher Anhänger kann man stolze Beträge zusammenbringen, das hat Barack Obama bewiesen. Doch der Einfluss großer Gönner ist ungebrochen.

Der Name eines früheren Präsidenten öffnet auch hier leichter Türen, die manch anderen Kandidaten vielleicht sogar verschlossen bleiben. Ähnliches gilt für die Organisation des Wahlkampfs: Die richtigen Berater und Strategen bringt man schneller zusammen, wenn Vater, Bruder oder Partner diesen Weg schon einmal gegangen sind. Verwandtschaft begünstigt einmal gewonnene Loyalität.

All dies brächten Hillary und Jeb mit in die Wahl. Da träten nicht nur zwei Kandidaten von Charakter und politischem Gewicht gegeneinander an, sondern eben zwei mächtige Familien und Netzwerke. Vielleicht doch nicht so öde.