Kevin Omari kontrolliert wieder jeden Fahrgast mit dem Metalldetektor. Zuletzt hatte der kenianische Sammeltaxi-Chauffeur diese Vorsichtsmaßnahme im September ergriffen, als der Jahrestag des Terrorangriffs auf das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi bevorstand.

Wer in Kenia von einem Ort zum anderen gelangen will, ist auf die Matatus angewiesen, meist 16-sitzige Minibusse, die auf einer festen Strecke überall halten, wo jemand ein- oder aussteigen will. Ein bisschen chaotisch ist dieser Nahverkehr immer, auch ohne verschärfte Kontrollen. Aber inzwischen hat nicht nur Omari wieder die Angst gepackt: Nach dem Anschlag auf die Universität in Garissa, bei dem fast 150 Menschen getötet wurden, sind die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft. Die Bürger sind es auch.

Die Polizei überwacht Einkaufszentren und öffentliche Gebäude in der Hauptstadt Nairobi besonders, wer hineinwill, wird kontrolliert. In der Umgebung werden Fahrzeuge überprüft, aber auch Passanten müssen immer wieder ihre Papiere zeigen. Vor allem sind in diesen Tagen weit weniger Kenianer dort unterwegs, wo sonst viel los ist.

"Haltet Ausschau nach verdächtigen Leuten, die sich in Bereichen aufhalten, wo sie nicht hingehören, verloren wirken, übertrieben angezogen sind für das Wetter, die herumlungern, Einrichtungen beobachten oder sich an strategisch wichtigen Orten herumtreiben." Diesen Rat gab kürzlich der Generaldirektor des nationalen Anti-Terror-Zentrums NCTC, Isaac Ochieng, als er Politiker aus Kenias Nordosten traf.

Die Gouverneure und Abgeordneten hatten zuvor angekündigt, sie wollten eine Liste mit Verdächtigen erstellen, die mit der Al-Shabaab-Miliz zusammenarbeiteten oder von den Islamisten radikalisiert worden seien. Sie versprachen, muslimische Prediger künftig zu überprüfen, um der Radikalisierung der Jugend Einhalt zu gebieten. Die kenianische Regierung verhängte in vier Bezirken an Kenias 700 Kilometer langer Grenze mit Somalia eine nächtliche Ausgangssperre.

Terrorismus versus Tourismus

Zu dem Anschlag in Garissa hat sich die somalische Extremistengruppe Al-Shabaab bekannt, die das Land bereits mehrfach angegriffen hat. Es sei aus Rache für Kenias militärisches Eindringen in Somalia erfolgt, hieß es. Die Islamisten drohten, Kenias Städte würden "rot vor Blut".

Kenianische Kampfjets flogen zu Beginn der Woche Luftangriffe auf Al-Shabaab-Camps im Süden Somalias. Allgemein wurde das als Vergeltung für das Massaker an der Universität gewertet. Ein Militärsprecher wies dies jedoch zurück: Die Luftschläge seien lange vor der Attacke auf die Studenten geplant gewesen.

Mit aller Härte, so sagte Präsident Uhuru Kenyatta nach dem Anschlag, werde das Land reagieren. Wieder einmal wurde die für Kenia so wichtige Tourismusindustrie schwer getroffen. Noch am Tag vor dem jüngsten Anschlag hatte Kenyatta die Kenianer im Ausland ermutigt, die touristischen Qualitäten des Landes anzupreisen und Menschen in das Land zu locken, das für seine Sandstrände und die Vielfalt wilder Tiere bekannt ist.

Kenyattas umstrittene Mauerpläne

400 Menschen sind bei Attentaten getötet worden, die mit Al-Shabaab in Verbindung gebracht werden, seit Präsident Kenyatta im April 2013 ins Amt kam. 70 starben bei dem Anschlag auf das Westgate-Einkaufszentrum im September 2013, 90 Steinbrucharbeiter und Lehrer wurden Ende des vergangenen Jahres in Mandera getötet. Kenyattas Regierung steht seither in der Kritik: Sie bekomme die Sicherheitslage nicht in den Griff und verhindere ebenso wenig, dass immer wieder Extremisten und Waffen über die poröse Grenze mit Somalia nach Kenia gelangten.

Um das zu verhindern, hatte die Regierung im März angekündigt, eine mehr als 200 Kilometer lange Mauer entlang des gefährdetsten Teils der Grenze zu errichten. Sie soll von der Grenzstadt Mandera bis Wajir reichen, wo es ebenfalls kleinere Angriffe gegeben hat. In Teilen der Bevölkerung wurde die Mauer-Ankündigung positiv aufgenommen, das sei "immerhin etwas". Doch viele Beobachter sagen, solche Barrieren würden Menschen nicht davon abhalten, nach Kenia zu gelangen, wenn sie es wirklich wollten.