Eine Kubanerin hat eine Kuba- und eine USA-Flagge auf dem Balkon ihrer Wohnung in Havana aufgehängt. © Yamil Lage/AFP/Getty Images

Das Zusammentreffen und der Händedruck von US-Präsident Barack Obama und seinem kubanischen Amtskollegen Raúl Castro auf dem Amerika-Gipfel in Panama werden auf der ganzen Welt als historisch bedeutend eingestuft. Die Begegnung der beiden Staatschefs markiert eine Zäsur in den US-kubanischen Beziehungen – zuletzt fand ein offizielles Treffen der Staatsoberhäupter beider Länder 1956 statt. Fünf Jahre später, 1961, hatten die USA nach der kubanischen Revolution die diplomatischen Beziehungen abgebrochen.

Zuletzt hatten sich mehrmals Annäherungen zwischen den Staaten angedeutet, manche Erleichterung wurde allerdings später zurückgenommen.


Der 54-jährige diplomatische Streit zwischen den USA und Kuba im Überblick:

1961: Im Januar bricht Washington als Reaktion auf die kommunistische Revolution die diplomatischen Beziehungen zu Havanna ab. Der US-Geheimdienst CIA organisiert vom 17. bis 19. April die Invasion in der Schweinebucht – Exil-Kubaner versuchen die Konterrevolution. Sie werden jedoch von kubanischen Regierungstruppen und Zivilisten in die Flucht geschlagen.

1962: Die USA unter Präsident John F. Kennedy verhängen ein Wirtschaftsembargo gegen Kuba. Washington entdeckt sowjetische Raketen auf der Insel – die Kubakrise bringt die Welt an den Rand des Atomkrieges. Der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow willigt am Ende in den Abzug der Raketen ein – unter der Bedingung, dass die USA nicht auf Kuba einmarschieren.

1963: US-Bürger, die nach Kuba wollen, unterliegen nun Reisebeschränkungen. Kubanische Guthaben werden eingefroren.

1965: Havanna erlaubt Hunderten Kubanern, in die USA zu segeln. Der demokratische US-Präsident Lyndon B. Johnson organisiert sogenannte Freiheits-Flüge für Kubaner. Bis April 1973 verlässt gut eine Viertelmillion Menschen die Insel.

1977: US-Präsident Jimmy Carter lockert die Reisebeschränkungen. Durch die Gründung einer Art gegenseitiger Interessenvertretung (Interests Section) in beiden Hauptstädten verbessern sich die Beziehungen ein wenig.

1980: Kubas Staatschef Fidel Castro genehmigt Ausreisewilligen, vom Hafen Mariel aus in die USA zu reisen. Ende September treffen rund 125.000 Kubaner in Florida ein.

1982: Der republikanische US-Präsident Ronald Reagan verschärft die Reisebeschränkungen wieder.

1992: Die UN-Vollversammlung verurteilt Washington wegen des Festhaltens am Embargo. Kurz vorher hatte die republikanische US-Regierung unter George Bush eine weitere Verschärfung des Embargos gegen Kuba gebilligt.

1996: Das Helms-Burton-Gesetz aus Washington macht die Embargo-Auflagen noch strenger.

2004: Der republikanische US-Präsident George W. Bush kündigt neue Reise- und Überweisungsbeschränkungen für US-Bürger nach Kuba an. Reisen sind nur noch einmal alle drei Jahre gestattet. Die Verschärfungen durch George W. Bush markieren die letzte Verschlechterung der Beziehung zwischen den beiden Ländern.

2006: Der langjährige Staatschef Fidel Castro übergibt die Regierungsgeschäfte wegen anhaltender Gesundheitsprobleme zunächst vorübergehend an seinen Bruder Raúl, der bislang sein Vizepräsident war. Weitere zwei Jahre später tritt Fidel endgültig ab, Rául wird Staatspräsident.  

2009: Kurz darauf kommt es auch in den USA zu einem Machtwechsel: Barack Obama wird US-Präsident und ordnet, wie im Wahlkampf versprochen, an, Beschränkungen für US-Bürger kubanischer Herkunft bei Reisen und Überweisungen nach Kuba aufzuheben. Der US-Präsident spricht schon damals von einem "Neuanfang" nach "Jahrzehnten des Misstrauens".

2011: Die USA beschließen eine weitere Lockerung der Kuba-Sanktionen für Finanztransfers und Reisebeschränkungen.

2013: Bei der Trauerfeier für den früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela in Südafrika treffen sich Castro und Obama erstmals und geben sich die Hand

2014: Nach einem Telefonat am 17. Dezember kündigen beide Verhandlungen über die Wiederaufnahme von vollen diplomatischen Beziehungen an. Zudem will der US-Präsident mit dem Kongress über eine Aufhebung des Embargos beraten. 

Seit Mitte Januar 2015 gelten weitere Reise- und Handelserleichterungen für Kuba. Bei drei Verhandlungsrunden wird über eine Normalisierung der Beziehungen und die Eröffnung von Botschaften gesprochen.