International versuchen Staaten, die Ursachen des Sterbens auf dem Mittelmeer zu beseitigen. Libyens Außenminister Mohamed al-Dayri hat die Spaltung seines Landes als einen der Hauptgründe für die zunehmende Zahl von Flüchtlingen ausgemacht, die von Libyen aus versuchen, auf dem Seeweg Europa zu erreichen. 

"Die Flüchtlinge waren von einem Gebiet aus gestartet, das unter der Kontrolle von Milizen ist", sagte Al-Dayri der Nachrichtenagentur AFP. Seine international anerkannte Regierung in Libyen kontrolliere diese Gruppen nicht. Im Westen des Landes gebe es eine "Herrschaft von Todeshändlern", die Tausende Flüchtlinge auf überfüllten Booten nach Europa schickten.  

Neben seiner international anerkannten Regierung gibt es in Libyen eine zweite, rivalisierende Regierung, die den Islamisten nahesteht. Zudem beherrschen die Terroristen des "Islamischen Staates" einen Teil des Landes. Al-Dayri rief erneut zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit auf, um die Probleme des Landes in den Griff zu bekommen. 

Bei einer der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer waren in der Nacht zu Sonntag etwa 800 Menschen ums Leben gekommen. Das in Libyen gestartete, völlig überfüllte Boot war wegen eines Navigationsfehlers des Kapitäns, der anschließenden Kollision mit einem anderen Schiff und wegen der panischen Bewegungen der Flüchtlinge gekentert. Schon zu Beginn vergangener Woche waren mehrere Hundert Menschen im Wasser gestorben

Die EU reagierte mit einem Zehn-Punkte-Plan auf die Tragödie. Für Donnerstag ist ein EU-Krisengipfel in Brüssel angesetzt. 

Thema dort wird auch sein, ob Fluchtwilligen nicht bereits schon in Nordafrika bescheinigt werden könnte, welche Chance auf Asyl sie haben. Zudem könnte man bereits dort prüfen, ob europäische Staaten die Menschen – entsprechend ihrer Kriterien – als Einwanderer aufnehmen können. Die Idee gibt es schon länger. In beiden Fällen ließe sich der illegale und riskante Seeweg vermeiden. 

Während der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, verlangte, Europa solle sichere Fluchtwege gewährleisten, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel skeptisch. Weil nicht alle Staaten Nordafrikas demokratisch seien, könne man nicht bereits dort Asylverfahren beginnen, hieß es aus Kreisen der Unionsfraktion, wo Merkel als Abgeordnete teilnahm. Auch Merkel beklagte, ähnlich wie auch Justizminister Heiko Maas und die Organisation Pro Asyl, das Fehlen einer staatlichen Ordnung in Libyen.  

Der Flüchtlingskatastrophe müsse die EU auf drei Ebenen begegnen, sagte Merkel: Sie sprach laut Teilnehmern von einem Dreiklang aus "Retten, Schlepper verfolgen und Ursachen bekämpfen". Das Problem sei nicht allein mit der Abwehr von Flüchtlingen zu lösen. Und es werde keine schnellen Antworten geben. Die EU müsse mit den Ländern in Nordafrika ins Gespräch kommen.