Seine Auftritte sind immer kurz davor, ins Radikale zu kippen. So auch an diesem Dienstagmorgen in Louisville, Kentucky. "Ist das der Moment, in dem wir unsere Telefone in Brand stecken?", fragt Rand Paul seine Zuhörer in der Halle und hält dabei sein iPhone in die Höhe. Gerade hat er mit rotem Kopf auf die massenhafte Überwachung von Telefon- und Internetdaten durch die Geheimdienste geschimpft. Diese, rief der 52-Jährige, "gehen die Regierung verdammt noch mal nichts an". Hinter dem Politiker, der sich gerade ins Rennen um das Weiße Haus geworfen hat, wehten dabei gleich zwölf amerikanische Flaggen, seine Unterstützer reckten Schilder hoch: "Präsident Paul".

Rand Paul, das sollte auch an diesem Morgen die zentrale Botschaft sein, gehört nicht zum politischen Establishment, weder links noch rechts. "Ich habe eine einfache klare Botschaft: Ich bin gekommen, um unser Land zurückzugewinnen", so der Senator aus Kentucky. Die Politmaschine Washingtons müsse gestoppt werden, die Macht zurück in die Hände der Amerikaner gelangen, die Regierung aus dem Leben des Einzelnen verschwinden. Paul ist ein Vertreter der konservativen Tea-Party-Bewegung, der gerne in alle Richtungen austeilt und dabei auch Parteifreunde nicht schont. Der Staatsapparat und der Schuldenberg hätten sich unter republikanischer Führung verdoppelt und sich anschließend unter Obama verdreifacht, sagte Paul am Dienstag.

Doch innerhalb des Tea-Party-Spektrums ist Paul noch einer der Gemäßigteren und damit wohl aussichtsreicheren. Er spricht sich für geringere Strafen bei illegalem Drogenbesitz, weniger Spionage und einen kleineren Militärapparat aus. Anders als zum Beispiel der Hardliner Ted Cruz, der erst am Montag seine Kandidatur für das Präsidentschaftsrennen bekannt gegeben hatte. Paul tut sich sogar mit Demokraten zusammen, um den Strafvollzug im Land zu reformieren und die Legalisierung von Marihuana voranzutreiben. Zu seinen Unterstützern gehören deshalb neben der üblichen Klientel auch Jungwähler, Afroamerikaner und Manager im Silicon Valley. Sollte er gegen die voraussichtliche demokratische Kandidatin Hillary Clinton ins Rennen gehen, würden ihn derzeit immerhin 41 Prozent der Amerikaner wählen, während 50 Prozent für Clinton stimmen würden. Ted Cruz würde gegen die erste weibliche Kandidatin dagegen nur 39 Prozent der Stimmen holen.

Berühmt dank einer 13-Stunden-Rede

2013 wurde Rand Paul zum neuen Star der Konservativen, als diese unter seiner Führung fast 13 Stunden im Kongress sprachen, um den Einsatz von unbemannten Drohnen auf US-Gebiet zu blockieren und die Ernennung des neuen, ihnen verhassten CIA-Chefs zu verhindern. Paul, schrieben US-Medien damals, sei das "It-Girl der Republikaner".

Doch selbst in der eigenen Partei zweifeln sie nun, ob ein ultra-liberaler konservativer Kandidat gegen Hillary Clinton bestehen kann. Viele Ideen der Tea-Party-Bewegung, mit der die erst kurze politische Karriere Pauls 2010 begonnen hatte, wirken inzwischen überholt. Auf der Erfolgswelle des radikalen republikanischen Flügels, der sich als Gegenentwurf zum vermeintlich übermächtigen Staatsapparat der Demokraten präsentierte, wurde der Augenarzt im ersten Versuch in den Senat gewählt und gehörte zu jenen jungen Wilden, die müden Politschlachtrössern die Senatssitze wegschnappten.