Die Welle des Fremdenhasses ist jetzt auch in Südafrikas größter Stadt Johannesburg angekommen. In einem Viertel der Metropole wurden laut Polizei Läden von Einwanderern geplündert.

In der Küstenstadt Durban waren in den letzten Tagen afrikanische Einwanderer von schwarzen Südafrikanern verfolgt worden, ihre Geschäfte geplündert und angezündet. Sechs Menschen waren dabei ums Leben gekommen, mindestens ein Händler aus Äthiopien verbrannte bei lebendigem Leib, nachdem der Mob seinen Laden in Brand gesteckt hatte. Die Lage hatte sich in Durban beruhigt, nachdem die Polizeipräsenz massiv erhöht wurde. 

Auch im Township Alexandra von Johannesburg wurden jetzt nach den Plünderungen die Sicherheitskräfte verstärkt. Randalierer hatten dort in der Nacht Läden geplündert, Reifen in Brand gesteckt und Straßenbarrikaden errichtet, berichtete das Nachrichtenportal eNCA. Polizisten hätten Gummigeschosse abgefeuert und mehr als 30 Menschen verhaftet. In der Johannesburger Innenstadt waren in den vergangenen Tagen bereits mehrere Läden von Einwanderern in Brand gesteckt worden.

Einige Südafrikaner werfen den in der Mehrzahl aus afrikanischen Ländern stammenden Einwanderern vor, sie nähmen ihnen in einem Land mit hoher Arbeitslosigkeit Jobs weg. Die Regierung hat erklärt, sie gehe Beschwerden über nicht gemeldete Migranten nach. Sie hob jedoch hervor, dass viele Ausländer legal in Südafrika arbeiteten und so zur Wirtschaftsentwicklung beitrügen.

Auslöser der aktuellen Gewalt war offenbar eine Äußerung von Zulukönig Goodwill Zwelithini. Der von seinen Anhängern verehrte Monarch hatte vor drei Wochen bei einer Rede die südafrikanische Regierung ausdrücklich zum Rauswurf der Ausländer gedrängt. Obwohl Zwelithini das nun heftig bestreitet, sagte er damals wörtlich: "Wir wollen, dass Ausländer ihre Sachen packen und nach Hause gehen." Befeuert wurden die Äußerungen von Edward Zuma, dem Sohn des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, der dem Zulukönig beipflichtete, als er vor Kurzem in einem Interview davor warnte, dass Südafrika auf einer Zeitbombe säße und Ausländer das Land übernehmen wollten.

Präsident Jacob Zuma wandte sich am Donnerstag gegen seinen Sohn und rief im Parlament dazu auf, die Übergriffe zu beenden. Die Polizei sei angewiesen worden, rund um die Uhr für den Schutz der Einwanderer zu sorgen, sagte Zuma. Bei den Gewalttaten in Durban sollen Polizisten teilweise tatenlos zugesehen haben.

Nachbarländer wollen Einwanderer evakuieren

Inzwischen sind im Land mehrere Tausend Ausländer aus Angst um ihr Leben in Notunterkünfte geflüchtet. Nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks UNHCR wurden bereits mehr als 5.000 Menschen aus Südafrika vertrieben. Die Nachbarländer Simbabwe, Malawi und Mosambik kündigten in Anbetracht der eskalierenden Gewalt an, ihre Staatsbürger aus Südafrika zu evakuieren. Insgesamt halten sich in Südafrika nach UNHCR-Angaben rund 65.000 Flüchtlinge und 295.000 Asylsuchende auf. Nach Schätzungen sind in vergangenen Jahren rund drei Millionen Simbabwer aus ihrer verarmten Heimat nach Südafrika geflohen.

2008 wurden bei einer ähnlichen Gewaltwelle rund 60 Menschen getötet. Im Januar fielen Plünderungen in Soweto und anderen Townships im Raum Johannesburg vier Menschen zum Opfer. Auch da waren Läden im Besitz von Migranten Ziel der Gewalttäter.