Die Türkei reagiert auf Papst Franziskus' Rede zum Tod von Hunderttausenden Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren mit scharfem Protest. Franziskus hatte die Geschehnisse von 1915 erstmals offiziell als "Völkermord" gewertet.

Ankara bestellte nun am Sonntag den Gesandten des Heiligen Stuhls ein und berief seinen eigenen Botschafter aus dem Vatikan zurück. Das türkische Außenministerium warf dem Papst Vorurteile und Verfälschung der Geschichte vor. Die Türkei soll nach Berichten türkischer Medien hinter den Kulissen versucht haben, den Papst vom Gebrauch des Begriffes abzuhalten. Ankara hält die Opferzahlen für überzogen und bestreitet das systematische Töten. Vielmehr handele es sich um Opfer von Bürgerkrieg und Unruhe.

Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu erklärte via Twitter, der Papst schüre "Hass". Die Erklärung des Papstes sei "weit von Geschichte und Recht entfernt" und nicht hinnehmbar. "Religiöse Ämter sind nicht der Ort, mit haltlosen Vorwürfen Feindschaft und Hass zu schüren." In einer offiziellen Protestnote heißt es, Franziskus widerspreche den "Friedensbotschaften" seines Türkei-Besuches vom November.

Der türkische Staatssekretär Levent Murat Burhan sagte Erzbischof Antonio Lucibello laut Medienberichten, die Äußerung des Papstes habe die Türkei tief enttäuscht; sie sei fern der historischen Tatsachen und einseitig. So habe der Papst nur vom Leid der Armenier gesprochen, nicht aber vom Schicksal der Muslime oder der Angehörigen anderer Religionen. Die jüngsten Ereignisse hätten zu einem Vertrauensverlust in den Beziehungen geführt und zeitigten "sicherlich" noch Folgen.

Seit Jahren versucht die Türkei die Verwendung des Begriffs Genozid mit diplomatischen Mitteln zu verhindern. Deutschland ist ebenso zurückhaltend in seinen Äußerungen dazu wie Italien oder die USA. Der heutige Papst hatte die Wertung aber als Kardinal Jorge Mario Bergoglio bereits mehrfach verwendet, unter anderem in seinem Buch Über Himmel und Erde. Auch Papst Johannes Paul II. hatte bereits von einem Völkermord gesprochen.