Die EU hat der Forderung der Ukraine nach einer internationalen Friedenstruppe für den Osten des Landes eine klare Abfuhr erteilt. "Wir kennen die ukrainischen Erwartungen, aber es ist unmöglich, eine Militärmission zu entsenden", sagte EU-Ratschef Donald Tusk nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko in Kiew. Allerdings stellte er der Regierung mehr Nothilfe für die Krisenregion in Aussicht. Die EU werde "so schnell wie möglich eine zivile Mission entsenden, um die humanitäre Lage zu prüfen", sagte Tusk.

Poroschenko hatte zuvor erneut um eine Militärmission gebeten. Die EU müsse der Friedensmission zustimmen, damit diese zur vollständigen Umsetzung des Minsker Friedensabkommens beitrage, sagte er. Das Abkommen hatten die prorussischen Separatisten und die ukrainische Führung im Februar unter internationalem Druck unterzeichnet. Dennoch wird weiter gekämpft. Die EU und die USA zögern, den Konflikt mit Russland durch die Lieferung von Waffen oder gar Truppen zu eskalieren.

Die Begegnung Poroschenkos und Tusks war das erste Spitzentreffen seit Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens der EU und der Ukraine im vergangenen Juni.

Zugleich rief Tusk Poroschenko auf, die Korruption zu bekämpfen und die Wirtschaftsreform voranzutreiben. "Sie haben mächtige Feinde, aber Sie haben auch viele Freunde", sagte Tusk. "Sie können auf unsere Hilfe zählen, aber es wird nicht reichen, wenn Sie die Ukraine nicht verändern." Dies sagte Poroschenko zwar zu, warnte aber zugleich, sein Land brauche vorher mehr Hilfe, um die Lage im Osten zu stabilisieren. Poroschenko forderte eine klare EU-Beitrittsperspektive für sein Land, eine Aufhebung der Visumspflicht sowie eine aktivere Rolle Brüssels im Friedensprozess für das Kriegsgebiet Donbass.

Bei einer Konferenz am Dienstag in Kiew soll dann eingehend über die Reformschritte Kiews und den dringend benötigten finanziellen Beistand für die Ukraine beraten werden.

OSZE berichtet von schweren Gefechten in Ostukraine

Unterdessen haben die Kämpfe im Kriegsgebiet Donbass wieder zugenommen, berichtete die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Bei der Ortschaft Schyrokyne hätten sich ukrainisches Militär und prorussische Separatisten den schwersten Beschuss seit dem Beginn einer offiziellen Waffenruhe Mitte Februar geliefert, teilten die OSZE-Beobachter mit.

Das Granatfeuer bei der Ortschaft in der Nähe der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer habe zwölf Stunden gedauert, sagte ein Militärsprecher. Im Donbass sei mindestens ein Soldat getötet worden. Die Separatisten berichteten zudem von einem Toten in den eigenen Reihen. Das Kampfgebiet bei Schyrokyne sei größer geworden, teilte Separatistenführer Eduard Bassurin in Donezk mit.

Prorussische Aufständische kämpfen im Osten der Ukraine seit mehr als einem Jahr gegen die ukrainische Armee. Mehr als 6.000 Menschen starben in den Gefechten. Mitte Februar hatten beide Seiten in der belarussischen Hauptstadt Minsk einen Friedensplan unterzeichnet, der unter anderem eine Waffenruhe und den Abzug schwerer Waffen vorsieht.