Eine nationalistische Gruppe hat sich zu den Morden an zwei bekannten Regierungskritikern in Kiew bekannt. Die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) übernahm die Verantwortung für die Morde an Oles Busina und Oleg Kalaschnikow und andere Attentate. Um ihre Täterschaft zu beweisen, nannten die mutmaßlichen Attentäter Details von den Morden, die bisher nicht veröffentlicht wurden, wie die genaue Tatzeit und das Kaliber der Tatwaffen.

In E-Mails an den Oppositionsblock und den Politologen Wladimir Fessenko drohten die Nationalisten damit, weitere "antiukrainische" Personen zu töten, sollten diese nicht das Land innerhalb von 72 Stunden verlassen. Das Ultimatum läuft demnach am Montagabend aus. "Die Zeit des Volkszorns ist gekommen", heißt es in der Mitteilung. Anton Geraschtschenko vom Innenministerium in Kiew bezeichnete die Absender als Psychopathen.


Unbekannte hatten am Donnerstag in der ukrainischen Hauptstadt Kiew den prominenten Publizisten und Oppositionellen Oles Busina erschossen. Tags zuvor war in Kiew der frühere Parlamentsabgeordnete Oleg Kalaschnikow von der Partei des 2014 gestürzten, prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch getötet worden. Die Täter entkamen jeweils unerkannt.

Busina galt als Gegner der proeuropäischen Proteste auf dem Maidan. Im vergangenen Jahr hatte er ohne Erfolg für die Partei Russischer Block bei der Parlamentswahl kandidiert. Kalaschnikow soll während der Maidan-Proteste Gegenkundgebungen zu den proeuropäischen Veranstaltungen organisiert haben.

Die Vereinten Nationen forderten eine schnelle Aufklärung der Attentate. Die Verbrechen seien beunruhigend, sagte eine Sprecherin des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Seid Raad al-Hussein. Nötig seien eine "schnelle, unabhängige und glaubwürdige Untersuchung" sowie die Bestrafung der Verantwortlichen.

Mordserie an Anhängern Janukowitschs

Vor Busina und Kalaschnikow waren bereits drei bekannte Unterstützer von Ex-Präsident Janukowitsch ums Leben gekommen. Der ehemalige Gouverneur Olexandre Peluschenko sowie der frühere Abgeordnete Stanislaw Melnik wurden beide tot in ihrem Haus gefunden. Beide Politiker sollen sich das Leben genommen haben. Michailo Tschetschetow, ein hoher Parlamentsmitarbeiter der Partei der Regionen, war Ende Februar aus einem Fenster im 17. Stock gestürzt.

Zudem war Ende März der jüngste Sohn Janukowitschs mit einem Kleinbus auf dem zugefrorenen Baikalsee in Sibirien eingebrochen und ertrunken. Auch wenn Vertraute des Ex-Präsidenten von einem Unfall sprachen, wurde der Vorfall von manchen Beobachtern als verdächtig bewertet.

Janukowitsch war im Februar 2014 nach monatelangen Protesten ins russische Exil geflohen. Zwei Monate später begannen die Gefechte zwischen ukrainischen Streitkräften und prorussischen Rebellen im Osten des Landes, durch die nach Angaben der Vereinten Nationen bislang mehr als 6.000 Menschen getötet wurden.