Der Separatistenführer der selbst ernannten Volksrepublik Donezk hat eingeräumt, sich nicht an das Friedensabkommen von Minsk zu halten. Alexander Sachartschenko bestätigte dem Spiegel, seinen Truppen stünden weiterhin schwere Waffen bereit. Da man das Feuer der ukrainischen Streitkräfte erwidern müsse, würden Waffen wieder in ihre alten Stellungen zurückgeführt. Zudem sagte Sachartschenko, Donezk verfüge über mehr als 23.000 Soldaten und 60.000 Reservisten, die einsatzbereit seien.

Für die Separatisten sei es immer noch erklärtes Ziel, das gesamte frühere Donezker Gebiet zu besetzen – dies umfasst auch Gebiete, die derzeit von den ukrainischen Truppen kontrolliert werden. Es wäre gut, wenn dies auf friedlichem Wege möglich wäre, sagte Sachartschenko dem Bericht zufolge. Der Regierung Petro Poroschenkos warf er vor, keinen einzigen Punkt der in Minsk ausgehandelten Friedensvereinbarungen erfüllt zu haben.

Die vor zweieinhalb Monaten vereinbarte Waffenruhe in Minsk wurde bereits mehrfach gebrochen. Erst am Donnerstag hatte US-Außenminister John Kerry Russland aufgefordert, Streitkräfte aus der Ostukraine abzuziehen und die ukrainischen Separatisten zur Einhaltung einer Waffenruhe zu drängen. Die Moskauer Regierung unterstütze die Separatisten  durch "zunehmend komplexe" Militärausbildung, zum Beispiel im Umgang mit Drohnen. Diese seien "ein untrügliches Zeichen für die russische Präsenz" im Konfliktgebiet, hatte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Marie Harf, erklärt.

Prorussische Aufständische kämpfen im Osten der Ukraine seit rund einem Jahr gegen die ukrainische Armee. Seither wurden bei den Kämpfen mehr als 6.000 Menschen getötet. Am 12. Februar unterzeichneten beide Seiten in der weißrussischen Hauptstadt Minsk einen Friedensfahrplan. Seitdem sind die Gefechte in der Ostukraine zwar deutlich abgeflaut, nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) setzen beide Seiten jedoch immer wieder schwere Waffen ein.