Der ukrainische Präsident Petro Poroshenko und der US-Botschafter Geoffrey Pyatt (2.v.l.) zu Beginn der Mission Fearless Guardian © Mykola Lazarenko/Ukrainian Presidential Press Service/Handout via Reuters

Soldaten der USA und der Ukraine haben mit gemeinsamen Übungen begonnen, ungeachtet russischer Proteste. Die Truppen seines Landes müssten von Grund auf neu organisiert werden, um sich militärischen Drohungen entgegenstellen zu können, sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko in Jaworiw, 50 Kilometer westlich von Lwiw. Die Ausbildung dauert sechs Monate.

Es handele sich um "eine der größten und wichtigsten Solidaritätsbekundungen" der USA für die prowestliche Regierung in Kiew, sagte der Staatschef zu Beginn der Operation "Fearless Guardian" (Furchtloser Wächter). Der Konflikt im Donbass sei "nicht nur ein Krieg für die Unabhängigkeit der Ukraine, sondern ein Kampf um Freiheit und Demokratie in Europa und in der ganzen Welt", sagte Poroschenko.

Die 300 US-Fallschirmjäger sollen in den kommenden sechs Monaten 900 Soldaten der Nationalgarde trainieren, die auch im Konfliktgebiet in der Ostukraine im Einsatz ist. Die Nationalgarde untersteht dem ukrainischen Innenministerium und setzt sich vor allem aus früheren Maidan-Kämpfern zusammen. Die USA unterstützen Kiew außerdem mit militärischer Ausrüstung wie gepanzerten Fahrzeugen, Schutzwesten, Radarsystemen und Nachtsichtgeräten. Waffenlieferungen lehnt Washington bislang ab.

In der Ukraine arbeiten auch 35 britische Militärausbilder. Zudem werden mehr als 200 Soldaten aus Kanada erwartet. Poroschenko sagte, dass sich künftig noch Soldaten aus Polen sowie "vielen anderen Ländern" an der Ausbildung des Militärs beteiligen würden. Er hofft zudem auf Waffenlieferungen. Die US-Soldaten waren in der vergangenen Woche im Internationalen Zentrum für Friedenssicherung und Sicherheit in Jaworiw nahe Lwiw angekommen. 

Die russische Regierung hatte die Entsendung der US-Soldaten bereits in der vergangenen Woche verurteilt und vor einer weiteren "Destabilisierung" der Ukraine gewarnt. "Die Beteiligung von Ausbildern und Experten aus Drittländern auf ukrainischem Staatsgebiet hilft natürlich nicht dabei, den Konflikt beizulegen", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. "Im Gegenteil: Dies kann die Lage ernsthaft destabilisieren."

In dem bewaffneten Konflikt zwischen prorussischen Separatisten und Regierungstruppen im Osten der Ukraine wurden nach Angaben der UN seit dem Frühjahr 2014 bereits mehr als 6.000 Menschen getötet. Kiew und der Westen beschuldigen Moskau seit Langem, die prorussischen Rebellen in der Ostukraine zu unterstützen. Russland weist die Vorwürfe zurück.