Erstmals seit fast 60 Jahren haben sich die Staatsoberhäupter der USA und Kubas offiziell getroffen. "Der Kalte Krieg ist vorbei. Kuba ist keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten", sagte US-Präsident Barack Obama beim Amerika-Gipfel in Panama. Gemeinsam mit Kubas Staatschef Raúl Castro verständigte er sich in dem bis vor wenigen Monaten praktisch noch unvorstellbaren Treffen darauf, die Beziehungen beider Staaten zu verbessern.

"Es wird natürlich weiterhin tiefe und bedeutende Differenzen zwischen unseren beiden Regierungen geben", sagte Obama im Anschluss. Er werde auf Demokratie und die Einhaltung von Menschenrechten dringen. Castro sagte, er sei zu Gesprächen über Menschenrechte bereit. Aber es werde Punkte geben, in denen man nicht übereinstimmen werde. "Wir können über alles reden, aber wir müssen geduldig sein, sehr geduldig", sagte der 83-Jährige.

Obama sprach von einem Wendepunkt für die gesamte amerikanische Region und rief den US-Kongress zur Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Kuba auf. Er habe kein Interesse daran, "Schlachten zu schlagen, die begonnen haben, bevor ich geboren wurde." Mit Blick auf den 54 Jahre andauernden Konflikt mit dem kommunistischen Kuba sagte Obama: "Die Vereinigten Staaten werden sich nicht zum Gefangenen der Vergangenheit machen." Das Treffen sei eine "historische Gelegenheit".

In Panama-Stadt treffen sich die Staats- und Regierungschefs der Organisation Amerikanischer Staaten. Bereits zum Auftakt des Treffens am Freitag hatten sich Castro und der US-Präsident mit Handschlag begrüßt – ein deutliches Zeichen der Annäherung. Auf der Tagesordnung der Konferenz war zwar kein offizielles Treffen der beiden Staatschefs genannt, Mitarbeiter des Weißen Hauses hatten aber angedeutet, dass es ein diskretes Vier-Augen-Gespräch der beiden geben werde.

"Entsetzliche Sanktionen"

Kubas Präsident lobte Obama in Panama als "ehrlichen Mann". Er sei nicht schuld an den lange angespannten Beziehungen beider Staaten. Die USA hatten jahrzehntelang Handelsembargos und Wirtschaftssanktionen gegen das kommunistische Land verhängt. 

Castro hielt auf dem Amerika-Gipfel eine lange und emotionale Rede, in der er die "Aggression" der USA gegen sein Land im Kalten Krieg anprangerte. Die Folgen des Wirtschaftsembargos seien für die Kubaner "entsetzlicher, als sich jeder vorstellen kann". Der 83-Jährige, der erstmals an dem Gipfeltreffen teilnimmt, erinnerte eingehend an die fehlgeschlagene, von den USA unterstützte Invasion in der Schweinebucht im Jahr 1961. "Ich bin sehr emotional, wenn ich über die Revolution spreche."

Warnung vor überzogenen Erwartungen

Nun müsse es endlich wieder einen "respektvollen Dialog" zwischen Havanna und Washington geben, sagte Castro. Er hoffe, dass die USA Kuba bald von ihrer Terrorliste strichen. Das wäre ein "positiver Schritt". Auch die Sanktionen müssten fallen.

Der US-Präsident warnte vor überzogenen Erwartungen an die Annäherung zu Kuba: "Ich denke, es ist kein Geheimnis, und Präsident Castro wird da zustimmen, dass zwischen unseren beiden Ländern weiterhin bedeutende Unterschiede bestehen", sagte Obama.

Die USA und Kuba hatten im Dezember 2014 nach anderthalbjährigen Geheimverhandlungen eine grundlegende Neuausrichtung ihrer Beziehungen bekannt gegeben, um die jahrzehntelange Feindschaft zu überwinden und ihr Verhältnis zu normalisieren. Seit Beginn der bilateralen Verhandlungen im Januar traten unter anderem bereits eine Reihe von Reise- und Handelserleichterungen in Kraft. Das US-Wirtschaftsembargo gegen Kuba besteht seit 1962.