Die Staatsanwaltschaft des US-Staats Maryland hat den Tod des 25-jährigen Schwarzen Freddie G. in Polizeigewahrsam als Mord eingestuft. Die Generalstaatsanwältin von Maryland, Marilyn Mosby, teilte mit, ein Beamter sei des Mordes mit bedingtem Vorsatz beschuldigt worden, die anderen des Totschlags und der Körperverletzung. Gegen alle sechs Beamten sei Haftbefehl erlassen worden. Die betroffenen Polizisten wurden bereits vom Dienst suspendiert.

Mosby sagte, die Polizisten hätten es versäumt, G. medizinische Hilfe zukommen zu lassen, obwohl der 25-Jährige mehrmals nach seiner Verhaftung am 12. April darum gebeten habe. Schon seine Verhaftung sei nicht rechtmäßig gewesen. Während des Gewahrsams erlitt G. unter noch nicht bekannten Umständen eine Wirbelsäulenverletzung, an deren Folgen er eine Woche später starb.

Der ungeklärte Tod des Afroamerikaners hatte in der Nacht zum Freitag erneut empörte Menschen auf die Straßen getrieben. Die meisten Proteste gegen Polizeigewalt und Diskriminierung verliefen aber friedlich, wie die Polizei mitteilte. In New York gab es einige Festnahmen.

In Baltimore hatten sich meist jugendliche Afroamerikaner nach der Trauerfeier für G. am Montag Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Seitdem patrouilliert die Nationalgarde gemeinsam mit Bereitschaftspolizisten in den Straßen. Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake verhängte eine nächtliche Ausgangssperre. Sie sagte am Donnerstag, es werde "von Tag zu Tag" über eine Verlängerung entschieden. In der Nacht zum Freitag zeigte das Ausgehverbot erneut Wirkung, in Baltimore blieb es ruhig.   

Am Donnerstag übergab die Polizei der US-Ostküstenstadt ihre Untersuchungsergebnisse der Staatsanwaltschaft.

Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Polizisten G. zu Boden drücken, bevor sie den jungen Mann in einen Polizeitransporter schleifen. Als der Transporter bei der Polizeiwache eintraf, war G. nicht ansprechbar. Später fiel er im Krankenhaus ins Koma. G.s Rückenmark war nach Angaben der Anwälte seiner Familie am Genick zu 80 Prozent durchtrennt.

Die Ereignisse im Polizeitransporter sind das entscheidende Puzzlestück zur Aufklärung von G.s Tod. Der lokale Fernsehsender WJLA berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, es gebe keine Beweise dafür, dass der 25-jährige Afroamerikaner die tödlichen Verletzungen bei der Festnahme selbst erlitten habe. Angeblich habe er sich das Genick gebrochen, als er später gegen das Heck des Polizeitransporters geschleudert sei.

Vergangene Woche hatte Polizeichef Batts bereits eingeräumt, dass G. auf der Fahrt entgegen der Vorschriften nicht festgeschnallt gewesen sei. Weitere Fragen warf ein am Donnerstag von der Polizei veröffentlichtes Detail auf: Der Transporter soll bei der knapp 40-minütigen Fahrt zur Wache einen bislang nicht bekannten Zwischenstopp eingelegt haben.