Die Bank of England bereitet sich mit einer Taskforce auf einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union vor. Das geplante Referendum über einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Union und die Verhandlungen über Reformen mit den EU-Partnern würden eine Reihe ökonomischer und finanzieller Fragen aufwerfen, teilte die Zentralbank mit. Es sei daher selbstverständlich, sich mit diesem Thema zu befassen.

Die eigentlich vertrauliche Studie mit dem Namen Project Bookend soll durch eine Panne publik geworden sein. Eine E-Mail mit Einzelheiten zu der Untersuchung wurde angeblich versehentlich an den Guardian geschickt, der zuerst über die Taskforce der Bank berichtete. Laut der britischen Zeitung  war die E-Mail an vier Vorstandsmitglieder adressiert und wurde vom Pressesprecher der Zentralbank versehentlich an die Redaktion weitergeleitet.

In der Mail stehen neben Exit-Szenarien auch Richtlinien zum Umgang mit Presse und Öffentlichkeit. Den Empfängern soll nahegelegt worden sein, möglichst ausweichend, etwa mit einem Verweis auf die Entwicklungen in Griechenland, auf Fragen zu dem Projekt zu reagieren. Dieser Aufruf zum Ausweichen wird in der britischen Öffentlichkeit besonders kritisch wahrgenommen, da Zentralbank-Chef Mark Carney unlängst angekündigt hatte, sein Institut transparenter zu machen. Wie die Exit-Szenarien der Bank of England konkret aussehen, berichtete der Guardian nicht.    

Die Einschätzungen der Zentralbank könnten einen großen Einfluss auf die öffentliche Debatte in Großbritannien haben. Die konservativen Tories von Premierminister David Cameron hatten die Parlamentswahl in Großbritannien am 7. Mai mit absoluter Mehrheit gewonnen. Nun will die Regierung mit den 27 EU-Partnern über Reformen verhandeln und die Wähler im Vereinigten Königreich bis zum Jahr 2017 in einem Referendum über die weitere EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen.