China und Indien haben Wirtschaftsverträge im Volumen von 22 Milliarden Dollar geschlossen. Das ist der Ertrag eines dreitägigen Besuchs des indischen Premierministers Narendra Modi in China. Die Vereinbarungen betreffen vor allem Branchen wie erneuerbare Energien, Industrieanlagen, Stahl, Finanzlogistik und Medien. Nach einem Treffen Modis mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang wurden 24 Kooperationsabkommen unterzeichnet – von Hochgeschwindigkeitsbahnen bis zur Gründung einer Yogaschule.

"Unsere Partnerschaft soll und wird blühen", sagte Modi laut einem Bericht der Times of India vor dem indisch-chinesischen Wirtschaftsforum in Shanghai. "Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Jahrhundert das asiatische ist, und der Buddhismus wird die einigende Kraft zwischen den Staaten Asiens sein. So wie wir in spiritueller Hinsicht gemeinsam gewachsen sind, werden wir einander helfen, wirtschaftlich zu wachsen."

Indien wirbt um chinesische Investitionen, während China den Nachbarn vor allem als Absatzmarkt sieht. Außerdem will Indien seinen Unternehmen einen besseren Zugang zum chinesischen Markt verschaffen. Bei einem Indien-Besuch von Präsident Xi Jinping 2014 waren bereits Investitionen von 20 Milliarden Dollar für die kommenden fünf Jahre vereinbart worden. Die Projekte kommen aber nur schleppend voran, da es Modi schwerfällt, in Indien die Zustimmung für Änderungen des Grunderwerbsrechts zu gewinnen.

Indien und China wollen auch ihre politischen Beziehungen auf ein neues Fundament stellen. Modi sagte in Peking, dass in vielen Aspekten Fortschritte erzielt worden seien. Die chinesische Führung sei auf die indischen Sorgen wegen des wachsenden Handelsdefizits aufmerksam gemacht worden, das zuletzt 48 Milliarden Dollar betrug. Beide Länder stimmten zu, ein drittes Generalkonsulat in dem jeweils anderen Land zu eröffnen. Indien plant eine diplomatische Niederlassung in der Metropole Chengdu, China in Kalkutta.

Bemühung um faire Lösung im Grenzstreit

Vertrauensbildende Maßnahmen sollen die Situation in einer umstrittenen Himalaya-Region entspannen. "Wir beide wiederholten unsere starkes Bekenntnis, alles zu tun, um Frieden und Ruhe in der Grenzregion zu erhalten", sagte Modi. Li sagte, beide Seiten würden in dieser Angelegenheit weiter Gespräche führen, um eine faire Lösung zu finden. Seit Indien 1962 einen Krieg gegen China verloren hat, streiten beide Länder um eine Region entlang einer 4.000 Kilometer langen Grenze im Himalaya.

Indien beobachtet das Verhältnis Chinas zu seinem Erzrivalen Pakistan mit Misstrauen; Die Volksrepublik will dort bis zu 40 Milliarden Euro in Kraftwerke und andere Projekte investieren. China reagiert mit Sorge auf Aktionen des im indischen Exil lebenden Dalai Lama, den es als treibende Kraft hinter den Autonomiebestrebungen vieler Tibeter vermutet.