Die Huthi-Rebellen haben in Aden weitere Bezirke unter ihre Kontrolle gebracht und den Präsidentenpalast eingenommen. Nach schweren Kämpfen mit Soldaten, die loyal zu der Exilregierung stehen, eroberten die Rebellen weite Teile des Bezirks Tawahi, wie Militärbehörden mitteilten. Tawahi ist einer der letzten Rückzugsorte der Anhänger des geflohenen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. Dort befinden sich der wichtigste Hafen des Landes und der Präsidentenpalast. 

Dutzende Zivilisten versuchten auf dem Seeweg aus der Hafenstadt zu fliehen und wurden durch das Granatenfeuer der Huthi-Miliz getötet. In die Krankenhäuser der Stadt wurden 32 Tote und 67 Verletzte eingeliefert, wie ein Vertreter der Gesundheitsbehörde von Aden mitteilte. Im ganzen Land tobten die Kämpfe, mehr als 120 Menschen sind nach Angaben der Konfliktparteien getötet worden. Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition flog weiter Angriffe auf die Rebellen. Ziele waren Stellungen in Aden, aber auch in Marib, Saada und Dhamar.     

US-Außenminister John Kerry sagte bei einem Besuch in Dschibuti, die humanitäre Lage im Jemen sei äußerst besorgniserregend. Der Mangel an Nahrung, Benzin und Medizin habe zu einer Krise geführt. Kerry stellte humanitäre Hilfsgelder für das Land in Höhe von 68 Millionen Dollar (60,3 Millionen Euro) in Aussicht. Am Abend will der US-Außenminister in Saudi-Arabien über Möglichkeiten einer Kampfunterbrechung beim Militäreinsatz im Jemen sprechen. Er hoffe, eine humanitäre Pause in dem Konflikt bewirken zu können. 

Jemen bittet UN um eine schnelle Intervention

Die US-Regierung drängt auf ein baldiges Ende der Luftangriffe. "Es gibt keine militärische Lösung der Krise im Jemen, und die humanitäre Lage wird sich nur verschlimmern, wenn der Konflikt anhält", hatte US-Sicherheitsberaterin Susan Rice vergangene Woche in Washington gesagt. Bei den Kämpfen wurden nach UN-Angaben bisher 646 Zivilisten getötet und 1.364 weitere verletzt. 

Jemen hofft nun auf die Unterstützung der Vereinten Nationen. In einem Brief an die UN bittet der jemenitische Botschafter Khaled Alyemany um Hilfe bei der Rettung Adens. Die UN solle Bodentruppen in das Land schicken. "Wir drängen die internationale Gemeinschaft, schnell mit Landstreitkräften zu intervenieren, um den Jemen zu retten, insbesondere Aden und Taiz", schreibt Alyemany dem Brief an den Sicherheitsrat. Das Schreiben liegt dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera vor. Die internationale Menschenrechtsorganisation solle die barbarischen Verbrechen gegen hilflose Zivilisten dokumentieren, heißt es weiter in dem Brief. Das Schreiben wurde an den litauischen Botschafter geschickt und wurde bisher nicht für weitere Mitglieder der UN veröffentlicht. Litauen hat aktuell den Vorsitz im Sicherheitsrat inne.