Nach den Präsidentenwahlen in Polen liegt nach ersten Prognosen der nationalkonservative Kandidat Andrzej Duda vorn. Für ihn stimmten 34,8 Prozent der Wahlbeteiligten, für Amtsinhaber Bronisław Komorowski 32,2 Prozent. Damit müssten die beiden Politiker in die Stichwahl am 24. Mai. Komorowski, der für die seit acht Jahren regierende liberale Bürgerplattform (PO) ins Rennen ging, hatte als klarer Favorit gegolten.

Duda ging für die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) ins Rennen. Die PiS ist die größte Oppositionspartei in Polen und stellte bis 2010 den Vorgänger Komorowskis, Präsident Lech Kaczyński. Kaczyński kam bei der Flugzeugkatastrophe über dem russischen Smolensk im April 2010 ums Leben.

Den Wählern hatte Duda Steuersenkungen und ein niedrigeres Rentenalter versprochen. Mit scharfer Kritik an künstlicher Befruchtung und der EU-Konvention zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt sicherte sich Duda zudem die Unterstützung konservativer Katholiken.

Rund 30 Millionen Polen waren am Sonntag zur Wahl aufgerufen und mussten sich unter elf Kandidaten entscheiden, darunter auch Amtsinhaber Komorowski.

Die Präsidentenwahlen läuteten in Polen ein Super-Wahljahr ein. Neben einem möglichen zweiten Wahlgang zur Entscheidung über das höchste Staatsamt stehen im Herbst Parlamentswahlen an. Die Wahlen galten deshalb auch als Stimmungstest: Der Jurist Duda galt neben Amtsinhaber Komorowski, dem die polnische Verfassung eine zweite Amtszeit erlaubt, als aussichtsreicher Kandidat. Vor der Wahl vom Sonntag hatte es so ausgesehen, als könnte Komorowski mit einer zweiten Amtszeit rechnen.