Angesichts der Spannungen mit Russland im Ukraine-Konflikt drängen die baltischen Staaten die Nato zur Stationierung Tausender Soldaten in ihren Ländern. "Wir streben eine Einheit in Brigade-Größe an, sodass jedes der baltischen Länder über ein Bataillon verfügt", sagte der litauische Armeesprecher Mindaugas Neimontas.

Eine ständige Präsenz von Nato-Soldaten sei wegen der Sicherheitslage notwendig, sagte Neimontas. "Es wird in unserer Region nicht besser, also wird es ein Abschreckungsmittel sein." Eine konkrete Zahl zur Truppenstärke nannte der Sprecher nicht. Eine Brigade kann eine Größe von bis zu 3.000 Mann haben, ein Bataillon besteht aus etwa 700 bis 800 Soldaten.

Eine formelle Anfrage soll in den kommenden Tagen an Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove gestellt werden. Die Generalstabschefs der Streitkräfte der drei Länder würden dazu ein gemeinsames Schreiben an ihn senden, teilte die litauische Armeeführung mit.

Die baltischen Staaten sind wegen der Haltung Moskaus im Ukraine-Konflikt um die eigene Sicherheit besorgt. Litauen, Lettland und Estland standen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1991 unter sowjetischer Vorherrschaft. Angesichts des russischen Vorgehens in der Ukraine-Krise fürchten die baltischen Länder, dass Moskau versuchen könnte, auch sie zu destabilisieren. Militärisch hätten Estland, Lettland und Litauen Russland nicht viel entgegenzusetzen.

Die Nato hat deshalb ihre Präsenz in der Region deutlich erhöht. Im Rotationsprinzip sind seit April 2014 jeweils 150 US-Soldaten in Estland, Lettland und Litauen sowie in Polen stationiert. Ein ähnliches dauerhaftes Rotationsprinzip stellt sich die litauische Armee auch jetzt vor.

Nato reagiert zurückhaltend

Einige Nato-Mitglieder wie Deutschland sehen eine dauerhafte Stationierung jedoch kritisch. Dadurch, so die Kritik, könnte ein Abkommen aus dem Jahr 1997 zwischen der Nato und Russland verletzt werden. Die sogenannte Nato-Russland-Grundakte untersagt größere Truppenstationierungen in Osteuropa, die dauerhaft angelegt sind.

Die Nato selbst reagierte zurückhaltend. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, er habe Kenntnis von einem Brief der baltischen Staaten an die Nato, der noch in Vorbereitung sei. Er verwies allerdings darauf, dass das Bündnis seine militärische Präsenz im Osten "bereits erhöht" hat. Stoltenberg nannte dabei zur Luft- und Seeüberwachung im Baltikum sowie auf Rotationsbasis stationierte Soldaten in kleinerem Umfang. Hinzu komme die neue schnelle Eingreiftruppe der Nato, die in Krisenfällen binnen weniger Tage vor Ort sein soll und derzeit getestet wird.

Die Nato werde alle ihre Mitglieder gegen Bedrohungen schützen, sagte Stoltenberg. Wenn der Brief aus den baltischen Staaten eintreffe, werde ihn das Bündnis "sorgfältig" prüfen. Das "Hauptaugenmerk" liege für die Nato aber derzeit auf der Umsetzung dessen, was bereits beschlossen sei.