Ukrainische Soldaten üben in Schytomyr. © Viktor Koshkin/Anadolu Agency/dpa

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sieht sein Land in einem "richtigen Krieg" mit Russland. Es sei kein Krieg, den die Ukraine gegen russische Separatisten führe, sondern ein Krieg gegen Russland, sagte er der britischen BBC. Er sei sich sicher, dass die russische Regierung eine Offensive gegen die Ukraine vorbereite, Angst habe er aber nicht. Die Ukraine sei vorbereitet und wolle Russland keine Chance für Provokationen geben.

Poroschenko sagte, er traue dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht mehr, er müsse aber weiterhin mit ihm verhandeln. Er hoffe immer noch auf eine diplomatische Lösung des Konflikts.

Am Wochenende waren laut Angaben der ukrainischen Regierung in der Nähe des Kampfgebietes in der Ostukraine zwei russische Offiziere gefangen genommen worden. Das sei ein Beweis für den ukrainischen Präsidenten, nicht nur gegen prorussische Rebellen zu kämpfen. Die russische Regierung hat allerdings Vorwürfe, eigene Offiziere zu entsenden oder die Rebellen zu unterstützen, stets zurückgewiesen.

Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte einen Sprecher des Verteidigungsministeriums, Generalmajor Igor Konaschenkow, mit den Angaben, bei den beiden von der Ukraine präsentierten Soldaten handele es sich nicht um aktive, sondern ehemalige Soldaten.

Auch die russische Führung in Moskau ging auf Distanz zu Poroschenko. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von einem ernsten "Vertrauensdefizit, das leider auf konkreten Fakten beruht, auf der konkreten Nicht-Erfüllung von Vereinbarungen in unterschriebenen Dokumenten".  Russland hatte die Ukraine dazu aufgerufen, den Mitte Februar in Minsk vereinbarten Friedensplan für das Kriegsgebiet Donbass umzusetzen.

Auch warnte Russland die Ukraine vor der möglichen Stationierung der US-Raketenabwehr auf ihrem Territorium. Für einen solchen Fall werde Russland Gegenmaßnahmen ergreifen, sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Die Atommacht sieht den von den USA in Europa geplanten Raketenschild als Gefahr für ihre Sicherheit. Zuvor hatte der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, Alexander Turtschinow, in Kiew davon gesprochen, dass eine solche Abwehranlage Schutz vor möglichen Angriffen aus Russland geben könne.

Obwohl im Februar eine Waffenruhe im Minsker Abkommen vereinbart worden ist, kommt es immer wieder zu Kämpfen in der Region. Seit Beginn der Krise im Jahr 2014 sind bei Kämpfen laut Angaben der Vereinten Nationen mehr als 6.000 Menschen gestorben.

Bei Kämpfen zwischen ukrainischen Soldaten und prorussischen Separatisten sind nach ukrainischen Angaben am Dienstag vier Soldaten getötet worden. Nach Angaben des Verwaltungschefs der ostukrainischen Region Luhansk, Gennadi Moskal, eröffneten die Separatisten das Feuer mit Granatwerfern und Artillerie nahe der Ortschaft Katerinowka unweit der russischen Grenze.