Ein Modell der geplanten Putin-Statue in St. Petersburg, die den Präsidenten als römischen Kaiser zeigt © Photoagency Interpress/dpa

Die große Mehrheit der Russen liebt den Präsidenten. Manche aber lieben ihn noch etwas mehr. So sehr, dass sie ihm eine Statue anfertigen lassen. Am morgigen Samstag wird in einem Vorort von Putins Heimatstadt Sankt Petersburg eine Bronzebüste enthüllt, die ihn als einen römischen Feldherren darstellt.

In den Tagen um das 70. Jubiläum des Sieges über Nazi-Deutschland nimmt der Personenkult in Russland bedenkliche Züge an. Seit der Annexion der Krim im vergangenen Jahr sind die Zustimmungswerte nicht nur für Putin gestiegen. Aus Anlass des Weltkrieg-Gedenkens wurden im Mai auch fünf neue Stalin-Denkmäler in verschiedenen russischen Städten eingeweiht. Man kann dies als direkte Folge der russischen Politik sehen, die die Taten des sowjetischen Diktators in jüngerer Zeit verstärkt herunterspielt. So wie während des Besuches von Angela Merkel in Moskau, als Putin den Hitler-Stalin-Pakt verharmloste. Kritiker sagen, der russische Präsident versuche auf solche Weise, sein eigenes autoritäres Vorgehen zu legitimieren. Und vielleicht auch die Idee des Personenkults als solchem.

Die Feldherren-Statue hat die Kosakengesellschaft der Stadt Sankt Petersburg in Auftrag gegeben. Deren Chef Andrej Poljakow sagte ZEIT ONLINE, die Büste stehe für eine neue Epoche, die Russland – vor allem dank seines Präsidenten – zum Zentrum der menschlichen Zivilisation werden lasse. Die Kosakengesellschaft habe die Idee einer Skulptur nach "der Rückkehr der russischen Territorien" (sprich: der Krim-Annexion) geboren, die Poljakow mit dem Mauerfall in Deutschland vergleicht. Man habe auch über andere Varianten der Statue nachgedacht: Putin im Militäranzug und einem Schiffchen auf seinem Kopf. Putin mit der Mütze des Monomach, einem staatlichen Symbol des Russischen Kaiserreiches.

Poljakows Verehrung des Präsidenten endet nicht im Ästhetischen. "Für solche Präsidenten wie Putin könnte man die Verfassung verändern – man braucht 15 bis 20 Jahre, um Ordnung im Land zu schaffen", sagt er. Mit der Büste wollen er und seine Mitstreiter inneren als auch äußeren Feinden zeigen, dass sie sich für Putin im Zweifelsfall opfern wollen.

Der Präsident wird nicht nur freiwillig verehrt. Gleich zu Beginn seiner ersten Amtszeit im Jahr 2000 verordnete Putin, dass sein Konterfei in Behördenbüros zu hängen habe. In der Privatwirtschaft ist es inzwischen nicht mehr nur eine Frage des guten Geschmacks, es den Behörden gleichzutun.   

Doch Zwang braucht es meist gar nicht. Putin verkaufte sich schon immer gut. Schon im Jahr 2002 landete eine Frauenband den Hit Einer wie Putin. Mit der Krim-Annexion, die die meisten Russen frenetisch bejubelten, kamen neue Devotionalien. Seit 2014 gibt eine große Auswahl an T-Shirts mit dem Antlitz des russischen Präsidenten; Bestseller in den Souvenirständen Moskaus und Sankt Petersburgs. 

Im Fernsehen ist er fast permanent

Die Putin-Mode ist nicht nur unter Touristen beliebt. Viele russische Spitzensportler lassen sich gerne in sozialen Netzwerken und bei öffentlichen Auftritten in Putin-T-Shirts fotografieren, neulich etwa der russische Eishockey-Superstar Ilja Kowaltschuk, der kürzlich zu einer Abendshow in einem solchen Gewand erschien.

Im Fernsehen ist Putin ohenhin fast permanent zu sehen. Neben den Nachrichtensendungen, in denen er auf Dauerschleife läuft, nimmt er sich seit 2011 jährlich zwei bis fünf Stunden Zeit für den Direkten Draht zu Wladimir Putin, eine Fragestunde, in der er seine Sichtweise auf die Dinge verbreitet.

In den letzten Monaten ist Wladimir Putin auch noch zum Filmstar geworden. Seit März wurden zwei sogenannte Dokumentarfilme mit ihm als Hauptfigur im russischen Fernsehen ausgestrahlt. Beide Filme sind Dokumente der Sicht Putins auf die Welt, zumal es im ersten um seine Version der Ukraine-Krise und im zweiten um "15 Jahre seiner Präsidentschaft" ging – wie sein Interviewer, ein kremlfreundlicher Fernsehjournalist, es in der letzten Frage nannte. Dass Putin vier Jahre davon lediglich Ministerpräsident unter Dimitri Medwedew war, ist wohl eine nicht beachtenswerte Kleinigkeit. Sowohl für den Journalisten, als auch für Putin, der den Interviewer nicht korrigierte.

Porträts, Songs, T-Shirts, Dokus – und jetzt kommt noch eine Statue dazu. Auch wenn es eine Privatinitiative war, aus der der römischen Putin entstand: Klar ist, dass der Präsident daran – zurückhaltend gesagt – nichts auszusetzen hat. Noch im Jahr 2008 erhob er Präsidentenporträts in den Rang von Hoheitssymbolen wie der russische Nationalhymne und -flagge.

Viele halten übrigens schon den Putin-Popsong im Jahr 2002 für einen gelungenen PR-Coup des Präsidenten. Die Band verschwand jedenfalls nach ihrem Hit genauso schnell wieder, wie sie zuvor aufgetaucht war. Die Zahl der Menschen in Russland, die so etwas heute noch kritisch sieht, ist allerdings seitdem massiv geschrumpft.