Die Terrormiliz Boko Haram hat einen Großangriff auf die Provinzhauptstadt Maiduguri im Nordosten Nigerias begonnen. Einwohner berichteten telefonisch von schwerem Gefechtslärm. Auch seien Explosionen von Luftangriffen der nigerianischen Streitkräfte zu hören. "Wir sind unter Belagerung", sagte eine Anwohnerin aus dem westlichen Teil der Stadt. Maiduguri ist eine der größten Städte in der Region und Gründungsort von Boko Haram.

Dem Angriff war eine Anschlagsserie vorausgegangen, die am Samstag und damit einen Tag nach der Amtseinführung von Präsident Muhammadu Buhari begonnen hatte. Den Anfang machten Raketenangriffe auf Wohnhäuser, bei denen mindestens 16 Menschen getötet wurden. Am Sonntag sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einer Moschee in die Luft und tötete 17 Menschen. Bei einem Bombenanschlag auf einem Markt wurden vier Menschen verletzt.  

Buhari hatte bei seiner Vereidigung am Freitag angekündigt, das Militärhauptquartier von der nigerianischen Hauptstadt Abuja nach Maiduguri verlegen zu wollen. In seiner Rede nannte er Boko Haram gottlos und weit weg vom Islam. Die Terroristen seien erst besiegt, wenn alle Entführungsopfer befreit seien. Schätzungen zufolge hält Boko Haram noch immer etwa 1.000 Frauen und Kinder gefangen.

Die nigerianischen Streitkräfte befinden sich seit Wochen in einer Offensive gegen Boko Haram, bei der auch das Rückzugsgebiet der Miliz im Sambisa-Wald angegriffen wurde. Nach Angaben des Militärs wurden dort mehr als 20 Lager der Terrorgruppe zerstört und Hunderte verschleppte Frauen und Kinder befreit. In den Städten und Dörfern, in denen Boko Haram ein "islamisches Kalifat" ausgerufen hat, halten die Kämpfe unterdessen an.