Wer in diesen Tagen in Dänemark ist, ob am Hafen in Kopenhagen, in einem der Ferienorte an der Küste oder in einem der kleinen Dörfer auf Jütland, dem geht eine Frage einfach nicht aus dem Kopf: Seid Ihr wirklich so rechts, wie Euer Wahlkampf suggeriert?

Seit Wochen überbieten sich die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt und ihr Herausforderer Lars Løkke Rasmussen von der Venstre-Partei mit billigem Populismus. Die Tageszeitung Politiken hat vor einigen Tagen das Verhalten der Spitzenkandidaten karikiert: Thorning-Schmidt und Rasmussen holen mit hochroten Köpfen zum Boxschlag gegeneinander aus. Doch sie verfehlen sich und ihre Fäuste landen stattdessen in den Gesichtern zweier Unbeteiligter mit ausländischer Herkunft.

Als Inspiration dürften der Redaktion Wahlkampf-Szenen wie diese gedient haben: Rasmussen klagt, Thorning-Schmidt habe Dänemark zum "Magneten" für Flüchtlinge gemacht. Seit er das Amt des Staatsministers im Jahr 2011 abgeben musste, habe sich ihre Zahl vervierfacht. Die Ministerpräsidentin erwidert: Sie sei es gewesen, die auf den Zustrom reagiert und Anfang des Jahres strengere Regeln für Flüchtlinge eingeführt habe. Ihre Regierung habe es Asylbewerbern zum ersten Mal seit zwölf Jahren erschwert, den Flüchtlingsstatus zu erlangen.


Der Politiken-Journalist Ole Rasmussen kommentiert das Verhalten der Spitzenkandidaten so: "Man sieht die Kandidaten darum konkurrieren, wer den Menschen, die vor Krieg und Terror fliehen, am wenigsten helfen will. Man bekommt den Eindruck, dass Venstre etwas fordert und die Sozialdemokraten im nächsten Moment sagen, dass sie das auch wollen." Wobei Rasmussen es noch besser verstehe, Ausländer für den Wahlkampf zu instrumentalisieren, sagt Rasmussen: Er schaffe es, den Eindruck zu erwecken, dass es nicht etwa bittere Not und Verzweiflung seien, die die Flüchtlinge unter Einsatz ihres Lebens das Mittelmeer überqueren lassen, "sondern Helle Thornings Versprechen, vom dänischen Staat unterstützt zu werden – weshalb er diese Möglichkeit abschaffen will".

Die Umfragen prognostizieren ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aktuell liegt Venstre-Chef Rasmussen mit seinem "blauen Block" leicht vor Thorning-Schmidts "rotem Block". Dritterfolgreichste Partei ist die Dansk Folkeparti: Mit Forderungen wie "Wir wollen keine Flüchtlinge mehr in Dänemark, überhaupt keine", wie sie etwa der integrationspolitische (!) Sprecher Martin Henriksen in Interviews postuliert, ist sie im Begriff, mit rund 18 Prozent das erfolgreichste Wahlergebnis ihrer Geschichte einzufahren.