Die russische Regierung hat Satellitenbilder zum Absturz des Fluges MH17 manipuliert, um eine Schuld der ukrainischen Regierung zu belegen. Das ist das Ergebnis einer Analyse von unabhängigen Investigativjournalisten. Die forensische Analyse habe "eindeutig und unzweifelhaft" ergeben, dass die Satellitenfotos falsch datiert und digital verändert wurden, heißt es in dem Untersuchungsbericht.

Das Team der Plattform Bellingcat hat zwei Satellitenfotos des russischen Verteidigungsministeriums untersucht, die beweisen sollten, dass die ukrainische Luftabwehr am Tag des Absturzes in der Gegend aktiv war. Die russische Regierung hatte die Bilder im vergangenen Juli, eine Woche nach dem Absturz der Maschine, auf einer Pressekonferenz präsentiert.

Auf einem Bild soll laut russischen Angaben zu sehen sein, dass am Tag des Absturzes mindestens ein selbstfahrender Buk-Raketenwerfer der ukrainischen Armee nicht mehr auf dem Militärstützpunkt nördlich von Donezk stand. Das zweite Satellitenbild soll belegen, dass zwei selbstfahrende Raketenwerfer und ein weiteres Militärfahrzeug der ukrainischen Streitkräfte südlich des Dorfes Zaroschinskoe stationiert waren. "Diese Komplexe sind in der Lage, Ziele auf Entfernungen bis zu 35 Kilometern und in Höhen bis zu 22 Kilometern zu bekämpfen", hatte es auf der Pressekonferenz geheißen. Damit wären die Raketenwerfer in Abschussnähe der MH17 gewesen.

Die Untersuchung des Bellingcat-Teams hat nun ergeben, dass die vom russischen Verteidigungsministerium präsentierten Satellitenbilder bereits vor dem Tag des Absturzes am 14. Juli 2014 aufgenommen wurden. Sie seien vom Juni 2014, heißt es. Das hätten Vergleiche mit öffentlich zugänglichen Satellitenbildern des gleichen Zeitraums ergeben. Zudem seien die Bilder nachträglich verändert worden: Die Buk-Raketenwerfer seien auf einem Bild entfernt und auf einem anderen nachträglich hinzugefügt worden.

Die Boeing 777 der Fluggesellschaft Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 in etwa 10.000 Metern Höhe über einem von prorussischen Soldaten kontrollierten Gebiet der Ostukraine abgestürzt. Alle 298 Insassen wurden getötet, darunter 193 Niederländer und vier Deutsche. Laut dem Zwischenbericht der niederländischen Ermittler wurde die Maschine abgeschossen. Sie sei durch eine "Vielzahl hochenergetischer Objekte" zum Absturz gebracht worden, hieß es im vergangenen Sommer. Wer die Maschine abschoss, ist noch immer nicht geklärt. Der Abschlussbericht wird voraussichtlich diesen Sommer vorgelegt.

Die ukrainische Regierung und mehrere westliche Staaten beschuldigen Russland, durch die Lieferung von Raketenabwehrsystemen an die Separatisten für die Katastrophe mitverantwortlich zu sein. Russland sowie die Separatisten bestreiten das, und sehen die Schuldigen in den Reihen der ukrainischen Armee.