Ukrainische Soldaten im Osten der Ukraine © Gleb Garanich/Reuters

Im Fall eines militärischen Konflikts zwischen Russland und einem Nato-Staat wären nur 38 Prozent der Deutschen bereit, das Partnerland militärisch zu verteidigen. In einer Umfrage des US-amerikanischen Forschungsinstituts Pew sprachen sich 58 Prozent der in Deutschland Befragten gegen militärische Hilfe für einen Nato-Partner im Fall eines Krieges mit Russland aus. 

Das ist im Vergleich mit anderen Nato-Ländern die größte Ablehnung militärischer Hilfe nach Artikel 5 des Nato-Vertrags, der im Angriffsfall die gemeinsame Verteidigung vorsieht. In Italien (51 Prozent), Frankreich (53) und Spanien (47) sind die Werte der Umfrage zufolge etwas niedriger, während in Polen und Großbritannien fast die Hälfte der Befragten für eine militärische Unterstützung wäre. Lediglich in den USA und Kanada spricht sich eine Mehrheit für eine Unterstützung der Nato-Partner aus.    

Die Erhebung des Pew Research Center zeigt das Stimmungsbild in den Nato-Staaten, der Ukraine und in Russland angesichts der Ost-West-Konfrontation durch die Ukraine-Krise. Befragt wurden die Menschen in acht Nato-Staaten, der Ukraine und Russland.  

Die Umfrage zeigt dabei eine Spaltung in zentralen Fragen zwischen deutscher und amerikanischer Öffentlichkeit. Die Deutschen sind nicht nur skeptisch gegenüber militärischer Hilfe im Verteidigungsfall, sie sind mehrheitlich auch gegen Waffenlieferungen an die Ukraine oder deren Nato-Mitgliedschaft. Zugleich gehen 68 Prozent der Deutschen davon aus, dass die USA im Fall eines Angriffs von Russland den Nato-Partnern beistehen würde. Diese Erwartung ist in den anderen Nato-Ländern ähnlich groß.  

Innerhalb Deutschlands wird dabei einmal mehr die Spaltung zwischen Ost und West in der Frage des Umgangs mit Russland und der Ukraine deutlich. So haben der Umfrage zufolge 40 Prozent der Ostdeutschen ein positives Bild von Präsident Wladimir Putin, im Westen teilen das nur 19 Prozent. Während 40 Prozent der Westdeutschen Russland als Bedrohung für seine Nachbarn ansehen, sind dies im Osten nur 28 Prozent. Umgekehrt haben nur 48 Prozent der Ostdeutschen ein positives Bild der Nato, im Westen sind es 57 Prozent.

Russen unterstützen Putin

Die Umfrage des Pew zeigt im Gesamtbild, wie in den Nato-Ländern und in Russland das gegenseitige Ansehen gesunken ist. Im Schnitt haben nur rund ein Viertel der Befragten in den westlichen Bündnisstaaten ein positives Bild von Russland. Umgekehrt ist dort das Ansehen von der Nato (12 Prozent), den USA (15), der EU (31) und Deutschland (35) deutlich gesunken. Vor zwei Jahren war die russische Sicht auf den Westen demnach noch sehr viel positiver. Gleichzeitig ist in Russland die Zustimmung für Putin gewachsen. Mehr als 80 Prozent der Befragten unterstützen seinen Kurs gegenüber der EU, den USA und der Ukraine.

In dem vom Krieg gebeutelten Land richtet sich die Hoffnung auf den Westen. Russland wird von einer Mehrheit (45 Prozent) für den Krieg im Osten der Ukraine verantwortlich gemacht, den Separatisten (9) und der ukrainischen Regierung geben nur wenige der Befragten die Schuld. Allerdings bescheinigen fast 60 Prozent der Regierung einen schlechten Einfluss auf die Verhältnisse in ihrem Land.

Die Ukrainer hoffen vor allem auf wirtschaftliche Hilfe des Westens, die auch mehrheitlich in den Nato-Staaten befürwortet wird. Eine Mehrheit von 67 Prozent in der Ukraine ist zudem für eine EU-Mitgliedschaft, 53 Prozent wollen auch in die Nato. Dieses Ansinnen wird auch von den meisten befragten westlichen Ländern unterstützt. Nur in Deutschland spricht sich eine Mehrheit dagegen aus.