Eine Kopie des Entwurfs von Papst Franziskus' mit Spannung erwarteter Enzyklika zum Umweltschutz ist zwei Tage vor der Veröffentlichung an die Öffentlichkeit gelangt. Die italienische Wochenzeitung L'Espresso stellte das Dokument am Montag auf seine Website. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte, es handele sich nicht um die finale Version der Enzyklika. Diese werde weiterhin wie geplant am Donnerstag herausgebracht.

Wie aus der Entwurfskopie hervorgeht, wird das katholische Kirchenoberhaupt zu dringenden Schritten zum Schutz der Erde und zum Kampf gegen die globale Erwärmung aufrufen. Diese sei hauptsächlich durch den Menschen und das Abbrennen von fossilen Brennstoffen verursacht worden, schreibt Franziskus. Damit dürfte er vor allem Leugnern des Klimawandels in den USA auf die Füße treten. Das Kirchenoberhaupt hatte gesagt, er wolle, dass jeder die Enzyklika lese – nicht nur die Katholiken.

Das gut 200 Seiten starke Dokument spiegelt weitgehend die Standpunkte wider, die Franziskus und seine Berater in den vergangenen Monaten angedeutet haben. In dem Entwurf führt der Papst aus, dass es sowohl wissenschaftliche als auch moralische Gründe für den Schutz des gottgeschaffenen Planeten gebe. Die Armen würden bereits am meisten unter der Umweltverschmutzung leiden. Sie würden auch in Zukunft die Hauptlast von steigenden Meeresspiegeln und extremen Wetterbedingungen tragen, schreibt Franziskus. Er macht aber auch klar, dass das Bevölkerungswachstum nicht für ökologische Probleme verantwortlich gemacht werden könne, sondern vielmehr das konsumorientierte, verschwenderische Verhalten der Reichen.


Vor allem vonseiten der US-Republikaner hatte es in den vergangenen Tagen Kritik an dem geplanten Dokument gegeben. Das Kirchenoberhaupt solle sich auf seine wirklichen Aufgaben konzentrieren, hieß es im Vorfeld der Veröffentlichung von führenden Parteimitgliedern. Viele Konservative in Amerika, unter ihnen auch Anwärter auf das Präsidentenamt wie Rick Santorum, bestreiten den Klimawandel und lehnen das Argument, die Erderwärmung sei durch menschliches Verhalten ausgelöst, ab.

Franziskus stützt seine Ausführungen auf wissenschaftliche Beiträge, die den Einfluss auf die Erde durch den Verlust der Biodiversität in den Amazonas-Regenwäldern, das Abschmelzen der arktischen Gletscher, die Überfischung und die Verschmutzung der Weltmeere zeigen.