Die Veröffentlichung einer vorläufigen Version der Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus durch die Zeitschrift L'Espresso lässt italienische Medien über die Motive der Urheber spekulieren. 

Die Indiskretion sei das Werk konservativer Kräfte innerhalb und außerhalb der Kurie, schrieb die Zeitung La Stampa unter Berufung auf nicht genannte vatikanische Quellen. Ihr Ziel sei es, die Wirkung der Enzyklika zu schwächen und der Person des Papstes zu schaden. Die Tageszeitung Corriere della Sera gab eine vatikanische Quelle mit der Einschätzung wieder, den Informanten gefalle die harte Kritik des Papstes an der Umweltpolitik der Industrienationen nicht.

Der Vatikan hat dem Journalisten, der die neue Papst-Enzyklika vorab veröffentlicht hat, die Akkreditierung entzogen. Die Onlinepublikation des Textentwurfs und der Bruch der Sperrfrist seien regelwidrig und verursachten "große Unannehmlichkeiten für viele Journalistenkollegen" sowie eine erhebliche Störung des Betriebs im vatikanischen Presseamt, teilte dessen Leiter Federico Lombardi in einem Brief an den Vatikan-Journalisten Sandro Magister mit. Das Schreiben wurde öffentlich ausgehängt.

Magister ist demnach mit Wirkung vom Dienstag die Zulassung zum vatikanischen Pressesaal "auf unbestimmte Zeit" entzogen. Er hatte in jüngerer Zeit wiederholt kritische Beiträge zum Pontifikat von Franziskus veröffentlicht.

Drei Tage vor der offiziellen Veröffentlichung der Umwelt-Enzyklika "Laudato si" am Donnerstag hatte die italienische Zeitschrift L'Espresso über ihren Blog das 192 Seiten umfassende Faksimile einer vorläufigen Fassung der Enzyklika verbreitet. Dabei soll es sich um eine inzwischen eingestampfte Version handeln. Die Enzyklika soll am Donnerstag vorgestellt werden.

Wie aus der Entwurfskopie hervorgeht, wird das katholische Kirchenoberhaupt zu dringenden Schritten zum Schutz der Erde und zum Kampf gegen die globale Erwärmung aufrufen. Diese sei hauptsächlich durch den Menschen und das Abbrennen von fossilen Brennstoffen verursacht worden, schreibt Franziskus. Damit dürfte er vor allem Leugnern des Klimawandels in den USA auf die Füße treten. Das Kirchenoberhaupt hatte gesagt, er wolle, dass jeder die Enzyklika lese – nicht nur die Katholiken.