Präsident Barack Obama hat nach dem Attentat von Charleston in die Rassismusdebatte in den USA eingegriffen. "Wir sind vom Rassismus nicht geheilt", sagte Obama dem Podcast WTF. Die langjährige Unterdrückung der Afroamerikaner könne von der Gesellschaft nicht einfach so abgelegt werden.

"Es geht nicht nur darum, dass es unhöflich ist, in der Öffentlichkeit 'Nigger' zu sagen", sagte Obama. Das Problem liege tiefer. Das Erbe von Sklaverei und Diskriminierung werfe einen langen Schatten und sei noch immer "Teil der gesellschaftlichen DNA".

Obamas Äußerungen sind ein Tabubruch. Das Wort Nigger ist eine abwertende Bezeichnung für Afroamerikaner. US-Medien vermeiden den Ausdruck und sprechen nur vom "N-Wort", selbst Obamas Äußerung wurde im Fernsehen mit einem Piep übertönt. Vermutlich auch deswegen hat sie ihre Wirkung nicht verfehlt: Das Interview ist in aller Munde. Kommentatoren sprechen gar von einem Ausspruch, der die US-Politik verändern könnte.

Lob für Verbesserungen, Kritik an Waffenlobby

Obama sieht die USA trotz der bestehenden Vorurteile auf dem richtigen Weg. In seiner Lebenszeit hätte sich die Situation der Afroamerikaner insgesamt spürbar verbessert. "Neue Möglichkeiten haben sich ergeben, und Einstellungen haben sich verändert", sagte er. Dennoch werde es noch lange dauern, ehe die Hautfarbe keine Rolle mehr spiele.

Deutliche Kritik äußerte Obama mit Blick auf das Attentat von Charleston an der Waffenlobby NRA. Es sei frustrierend, wie stark der Einfluss der Lobby im Kongress sei. Die historisch bedingte starke Waffenliebe im Land müsse "an einen gewissen Allgemeinsinn angepasst werden, damit ein 21-Jähriger nicht einfach zur Waffe greifen und großen Schaden anrichten" könne.