Russland wird sein Atomarsenal nach den Worten von Präsident Wladimir Putin noch in diesem Jahr um mehr als 40 Interkontinentalraketen aufstocken. Die Raketen seien in der Lage, auch die technisch fortschrittlichsten Flugabwehrsysteme zu überwinden, sagte Putin auf einer Militärmesse im russischen Kubinka.

Der stellvertretende russische Verteidigungsminister warf der Nato vor, Russland zu einem neuen Wettrüsten zu zwingen. Dies berichtete die russische Nachrichtenagentur Ria. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kritisierte: "Das nukleare Säbelrasseln Russlands ist ungerechtfertigt, destabilisierend, und es ist gefährlich."

Interkontinentalraketen haben eine Reichweite von mehreren Tausend Kilometern. Den größten Teil legen sie dabei außerhalb der Erdatmosphäre zurück. Sie sind ein wichtiges Trägermittel für Atombomben und wurden während des Kalten Kriegs entwickelt.

Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri verfügt Russland unter den Atommächten der Welt über die meisten Nuklearwaffen. Ihre Gesamtzahl sank demnach zwar im Vergleich der Jahre 2014 und 2015 von 8.000 auf 7.500 Stück, die Zahl der einsatzbereiten Sprengköpfe stieg jedoch von 1.600 auf 1.780 Stück.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die USA erwägen, schweres Militärgerät in mehrere Länder Osteuropas und des Baltikums zu verlegen. Ziel sei es, Russland von einer Aggression in Europa abzuschrecken. 

Russland hat im Gegenzug mit Konsequenzen gedroht. Die Regierung in Moskau wertet die Stationierung schwerer Waffen und Tausender Soldaten in Osteuropa als Verstoß gegen die Nato-Russland-Grundakte von 1997. Das Abkommen verbiete eine dauerhafte Präsenz von Kriegstechnik in osteuropäischen Staaten, argumentiert das Außenministerium in Moskau.

Litauens Staatschefin Dalia Grybauskaitė bestätigte unterdessen die Pläne der USA. Sie seien allerdings nicht neu, sondern folgten den Beschlüssen des Nato-Gipfeltreffens 2014 in Wales. "Wir sind uns der Entscheidungen bewusst, wir unterstützen sie und freuen uns auf sie", sagte Grybauskaitė. Verteidigungsminister Juozas Olekas sagte: "Wir bedrohen niemanden, und wir werden niemanden angreifen." Ziel sei es lediglich, den Schutz des Territoriums zu verstärken, sagte er der Agentur BNS zufolge.

Litauen grenzt an die russische Exklave Kaliningrad und sorgt sich angesichts von Russlands Unterstützung für Separatisten in der Ostukraine um seine Sicherheit. Die Ex-Sowjetrepublik hat deshalb ihren Militäretat erhöht und dringt auf eine stärkere Nato-Präsenz.