Nach dem Attentat bei Sousse hat Tunesiens Ministerpräsident Habib Essid angekündigt, innerhalb einer Woche jede inoffizielle Moschee schließen zu lassen. Er gehe von etwa 80 Moscheen aus, die in diese Kategorie fallen. Es gebe immer noch Moscheen, "die Propaganda verbreiten und zum Terrorismus aufrufen", sagte Essid bei einer Pressekonferenz in der Nacht zum Samstag.

Bei einem Attentat hatte ein Bewaffneter am Freitag vor dem Hotel Imperial Marhaba bei Sousse zunächst am Strand und später auf dem Hotelgelände auf Touristen geschossen und mindestens 38 Menschen getötet und mehr als 30 weitere zum Teil schwer verletzt. Unter den Toten sind Briten, Deutsche, Belgier, Franzosen und Tunesier. Genaue Zahlen gibt es noch nicht.

Als weitere Maßnahme kündigte der Ministerpräsident an, Organisationen und Parteien, die sich außerhalb des Verfassungsrahmens bewegen, besser überwachen zu lassen und unter Umständen aufzulösen. Das Finanzministerium soll Vereine und Verbände stärker kontrollieren, da es "Vereine gebe, die den Terrorismus unterstützen".

Auch das Militär wird verstärkt: Reservisten sollen eingezogen werden, auf den Straßen und vor allem vor "besonders gefährdeten Orten" sollen mehr Soldaten patrouillieren. "So ein Attentat darf nie wieder vorkommen", sagte Essid. Einige Grenzregionen im Gebirge sollen zu militärischem Sperrgebiet erklärt werden. Für touristische und achäologische Zentren will Essid einen Spezialplan entwickeln. Bewaffnete Sondereinheiten sollen extra zum Schutz von Touristen abgestellt werden. Ab 1. Juli sollen Soldaten das gesamte Küstengebiet und die Hotels überwachen.

Große Sicherheitskonferenz im September

Für Sonntag hat Essid einen nationalen Sicherheitsrat mit den Chefs aller 21 Parteien einberufen, der zusätzliche Maßnahmen beschließen soll. Die Minister beraten sich bereits am heutigen Samstag. Im September sei außerdem eine nationale Sicherheitskonferenz mit Mitgliedern der Zivilgesellschaft, der Parteien und nationalen Organisationen geplant. Thema ist der Kampf gegen den Terrorismus.

Sicherheitskräfte hatten den Attentäter am Abend erschossen. Nach Angaben der tunesischen Regierung war er ein tunesischer Student. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hatte sich in einer nicht verifizierten Nachricht auf Twitter zu dem Anschlag bekannt. Ob der Attentäter tatsächlich ein IS-Anhänger war oder ob die Gruppe den Anschlag nur aus Propagandagründen für sich reklamiert, ist nicht geklärt.

Merkel sichert deutsche Unterstützung zu

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Tunesien deutsche Unterstützung zugesichert. Dem tunesischen Präsidenten Beji Caid Essebsi sagte Merkel, Deutschland stehe in diesen schweren Stunden an der Seite Tunesiens und werde die "Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus weiter intensivieren". Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Ein Schwerpunkt dieser Zusammenarbeit werde auf der Unterstützung der Grenzsicherung liegen.

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) reist am Montag an den Anschlagsort. Es sei das Ziel der Terroristen, "das Land ins Chaos zu führen", sagte er. Die Tunesier dürften sich davon jedoch nicht von ihrem Weg zur Demokratie abbringen lassen.

Britische und deutsche Reiseveranstalter haben unterdessen begonnen, Touristen aus Tunesien auszufliegen. Reisebüros wie TUI, Thomson oder Thomas Cook stellten es Urlaubern in dem nordafrikanischen Land frei, ihren Urlaub kostenlos zu stornieren. Der deutsche Reiseveranstalter TUI ist an dem Hotelkomplex Imperial Marhaba beteiligt.