Russland hat dem Westen eine Mitschuld an der jüngsten Eskalation im Kriegsgebiet Ostukraine gegeben. Die westlichen Staaten würden nicht nur Waffen und Panzertechnik in die Ukraine liefern – es würden auch Hunderte Militärausbilder geschickt, um ukrainische Soldaten für die Kämpfe auszubilden, sagte der russische UN-Botschafter Vitali Tschurkin der Agentur Interfax. Die Ukraine setze auf Instrukteure aus den USA, Großbritannien, Polen und Kanada. Tschurkin sprach auch von einer Vielzahl von Söldnern und privaten Kampfverbänden im Kriegsgebiet.   

Russland sei verwundert, dass der "gewöhnlich so von humanitären Themen angetane" Westen angesichts der Katastrophe in der Region Donezk keine Reaktion zeige, sagte Tschurkin. Die Lage dort drohe "außer Kontrolle zu geraten – mit unvorhersehbaren Folgen". Er forderte die EU und die USA auf, Druck auf die Ukraine auszuüben, den Mitte Februar in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarten Friedensplan umzusetzen.

Die Staats- und Regierungschefs sieben großer Industrienationen erwägen offenber, beim G-7-Gipfel Russland für immer aus ihrem Kreis auszuschließen. Das berichtet der Leipziger Volkszeitung unter Berufung auf nicht näher benannte Diplomaten. Die Bundesregierung wollte Thema zunächst nicht kommentieren. Kanzlerin Angela Merkel bisher erklärt, eine Rückkehr Moskaus zu G 8 sei "zurzeit" nicht vorstellbar. In dem Bericht der Zeitung heißt es, die nahezu einmütige Haltung der G-7-Partner sei, dass "eher Indien oder auch China eingeladen werde, als noch einmal Russland".

Auch die Mitglieder der Europäischen Union planen nach Diplomatenangaben weitere Konsequenzen. Demnach wollen sie ihre im vergangenen Juli verhängten Sanktionen gegen Russland um sechs Monate verlängern. Es gebe darüber eine politische Einigung. Bei dem EU-Gipfeltreffen in Brüssel am 25. und 26. Juni werde dies daher keine Probleme verursachen. 

OSZE sieht "erhebliche Verschlechterung"

Der UN-Sicherheitsrat drängte die Konfliktparteien zur Einhaltung des vereinbarten Waffenstillstands. Nach den jüngsten heftigen Kämpfen müssten die Minsker Vereinbarungen "vollständig eingehalten" werden, sagte der Stellvertreter von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Jeffrey Feltman, auf einer Dringlichkeitssitzung. Der Schutz von Zivilisten habe Priorität.

Die Regierung in Kiew und die Rebellen gaben sich gegenseitig die Schuld für die Eskalation der Gewalt. Feltman zufolge drohe derzeit entweder eine Rückkehr zu einem tiefen, "schwer lösbaren Konflikt", oder zu vorübergehenden Spannungen im Konfliktgebiet. "Keines dieser Szenarien können wir uns erlauben." 

Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) berichtet von einer deutlichen Verschlechterung der Situation in der Ostukraine. "Die Gewalt in und um die Stadt Marjinka nahe der Demarkationslinie hat ein neues, beunruhigendes Ausmaß erreicht", sagte OSZE-Chefbeobachter Alexander Hug. Er beklagte vor allem den Einsatz schwerer Kriegsgeräte. Viele Waffen, die nach dem Minsker Friedensabkommen von den Beobachtern erfasst worden waren, würden inzwischen "vermisst". Die Beobachtermission werde zudem ständig behindert: Die Funkaufklärung werde gestört, die Beobachter bedroht und zuweilen sogar beschossen.

Eigentlich gilt seit dem Minsker Friedensabkommen vom Februar eine Waffenruhe, diese wird aber immer wieder gebrochen. Erst in den vergangenen Tagen waren in der Ostukraine fast 30 Menschen getötet worden.