Die USA werden "vorübergehend" schweres Militärgerät in die Nato-Staaten Mittel- und Osteuropas verlegen, um die Nato-Staaten für Bedrohungen aus Russland und von Terroristen zu wappnen. US-Verteidigungsminister Ashton Carter sagte in der estnischen Hauptstadt Tallinn, in sieben europäischen Ländern sollten an die 250 Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und andere Militärausrüstung stationiert werden. Jedes Kontingent werde ausreichen, eine Kompanie oder ein Bataillon auszurüsten.

Der US-Verteidigungsminister traf seine Kollegen aus Estland, Lettland und Litauen. Erklärtes Ziel der Maßnahme ist es, amerikanischen Truppen eine höhere Mobilität bei Manövern in Europa zu verschaffen. Zugleich werden die betroffenen Nato-Staaten aber auch in die Lage versetzt, schnell auf jede militärische Bedrohung zu reagieren.

Die US-Militärausrüstung soll zumindest zeitweise in Bulgarien, Estland, Deutschland, Lettland, Litauen, Polen und Rumänien stationiert werden. Zudem soll laut Carter die Zusammenarbeit der USA mit dem Nato-Cyber-Center in Estland intensiviert werden.

Die Entscheidung der US-Regierung kommt nicht überraschend. Bereits vergangene Woche waren entsprechende Pläne des Pentagon bekannt geworden. Russland wiederum hat bereits auf die Ankündigung aus Washington reagiert. Auf einer Militärmesse im russischen Kubinka kündigte Präsident Wladimir Putin an, das russische Atomarsenal noch in diesem Jahr um mehr als 40 Interkontinentalraketen aufstocken. Diese seien in der Lage, auch die technisch fortschrittlichsten Flugabwehrsysteme zu überwinden.

Am Montag hatte Carter bei einem Besuch in Münster den Ausbau des US-Militärengagements in Europa angekündigt. So sollen auch für die "Speerspitze" der Nato – die neue Eingreiftruppe mit 5.000 besonders schnell einsatzbereiten Soldaten –  Waffen, Flugzeuge und Soldaten bereitgestellt werden. Diese war als Reaktion auf die Ukraine-Krise und die verschlechterten Beziehungen zu Russland eingerichtet worden.

Die Allianz hatte im Herbst den Aufbau einer sogenannten schnellen Eingreiftruppe beschlossen, die im Krisenfall binnen weniger Tage zum Beispiel nach Osteuropa verlegt werden soll. Die Einheit entsteht in Münster. Beteiligt sind neben Deutschland zunächst Norwegen und die Niederlande.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte zudem am Montag in Brüssel angekündigt, die Allianz wolle ihre Eingreiftruppe auf insgesamt 30.000 bis 40.000 Soldaten erweitern. Damit werde die "aktuelle Größe mehr als verdoppelt", sagte er. Den Beschluss dazu würden die Nato-Verteidigungsminister bei ihrem Treffen am Mittwoch und Donnerstag in Brüssel treffen. Bisher zählt der Kern der Nato-Eingreiftruppe rund 13.000 Soldaten, hinzu kommen Kommandoeinheiten und eine Unterstützungsreserve.

Der stellvertretende russische Verteidigungsminister warf der Nato vor, Russland zu einem neuen Wettrüsten zu zwingen, berichtete die russische Nachrichtenagentur Ria. Stoltenberg kritisierte: "Das nukleare Säbelrasseln Russlands ist ungerechtfertigt, destabilisierend, und es ist gefährlich."