Von Sigonella auf Sizilien hebt das Flugzeug ab und nimmt Kurs auf Norwegen. Die Maschine fliegt im Auftrag der Nato ins Manöver "Unified Vision". An Bord ist allerdings kein Pilot, gesteuert wird die riesige Drohne vielmehr von einer Station am Boden aus. Mit 14,50 Metern Länge, einem Leergewicht von fast 7 Tonnen und einer Spannweite von 40 Metern ist die Global Hawk RQ-4B das größte unbemannte Fluggerät der Welt. 

Bald sollen von Italien aus regelmäßig Drohnen desselben Typs aufsteigen. Sie gehören dem Verteidigungsbündnis und werden von den Mitgliedsstaaten gemeinsam betrieben. Auch die Bundesregierung beteiligt sich an dem Projekt mit fast einer halben Milliarde Euro und der Abordnung deutscher Soldaten. Dabei hat sie selber bereits mit der europäischen Variante des unbemannten Aufklärungsfliegers ein Desaster erlebt und sich deshalb eigentlich von der weiteren Erprobung der Drohne verabschiedet.

Der Name Euro Hawk, einer europäischen Version der Global Hawk, steht heute sinnbildlich für das Versagen der Bundeswehr bei der Beschaffung von Rüstungsgütern. Wegen der Drohnenaffäre forderten Oppositionspolitiker vor zwei Jahren den Rücktritt des damaligen Verteidigungsministers Thomas de Maizière, der Bundestag richtete einen Untersuchungsausschuss ein. Hunderte Millionen Euro an Steuergeld wurden mit dem Projekt vergeudet. De Maizière stoppte schließlich das Programm.

Doch an dem Nato-Projekt "Alliance Ground Surveillance" (AGS) – auf Deutsch: System zur Bodenüberwachung – hielt das Verteidigungsministerium fest. Nun wiederholen sich in Italien offensichtlich die Probleme mit der Drohne: Bei der Zulassung durch die italienischen Behörden gebe es "derzeit einen Verzug von mehreren Monaten", räumte die Bundesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion ein, die ZEIT ONLINE vorliegt. Der Erstflug sei "nach derzeitigem Sachstand" erst im Frühjahr 2016 möglich.

Aufgefallen waren die Probleme bereits im vergangenen Jahr. Mehrfach wurde eine Spatenstich-Zeremonie auf Sizilien verschoben, zu der hochkarätige Teilnehmer aus den 13 Partnerländern des AGS-Projekts anreisen sollten. Mittlerweile wurde die feierliche Einweihung endgültig abgesagt – offiziell aus "Terminschwierigkeiten".

Deutschland zahlt ein Drittel der Kosten

Das Nato-Drohnen-Projekt hatte vor sechs Jahren begonnen. Ursprünglich beteiligten sich 14 Länder, Kanada stieg später aus. Am 20. Mai 2012 unterzeichneten die Partner, darunter die USA, Italien, Deutschland, Norwegen, Luxemburg und acht osteuropäische Mitglieder der Nato, einen Beschaffungsvertrag. Andere Länder wie Großbritannien und Frankreich halten sich bisher wegen der Kosten zurück.

Zunächst war geplant, acht Drohnen vom Typ Global Hawk zu kaufen. Dann wurde der Umfang reduziert. Jetzt sollen nur noch fünf der unbemannten Aufklärungsflieger angeschafft werden. Deutschland hat den Partnern zugesagt, einen Anteil von 456,82 Millionen Euro und damit fast ein Drittel der Gesamtkosten von rund 1,4 Milliarden Euro zu übernehmen.

Andere Länder bringen kein Geld ein, sie wollen stattdessen Aufklärungsflieger stellen. Großbritannien hat seine Sentinels angeboten und Frankreich ein auf der bewaffneten Drohne Heron TP basiertes Aufklärungssystem.

Modernere Version

Die für das Nato-Projekt geplante Euro-Hawk-Variante, die mit einem Radarsystem auch Bewegungen am Boden erfassen kann, ist moderner als die in Deutschland gescheiterte Version. Dennoch erwarten Experten auch in Italien und weiteren europäischen Ländern ernste Probleme für den Flugbetrieb: In den Luftraum darf sie nur mit Sondergenehmigungen aufsteigen, weil Global Hawk den zivilen Flugverkehr gefährden kann.

Deswegen hatte die Drohne in Deutschland keine Zulassung bekommen, Österreich verweigerte der Nato im vergangenem Jahr den Überflug der Global Hawk. Auch für den Regelflugbetrieb in Italien fehlt der Nato noch die Erlaubnis: Sie soll gemäß Programmplan erst "nach der Auslieferung und der Übergabe der unbemannten Luftfahrzeuge" angestrebt werden. Wann das der Fall ist, bleibt offen.