Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland haben ein Abkommen mit dem Iran geschlossen, der Atomstreit ist beigelegt. Demnach werden die USA und die EU ihre Sanktionen aufheben, darunter auch die Maßnahmen gegen die iranische Zentralbank. Das Waffenembargo soll durch ein fünf Jahre befristetes Verbot ersetzt werden, Waffen zu kaufen. Der Iran werde international Hilfe erhalten für den Bau von Atomkraftwerken. Iranische Studenten sollen wieder Kernkrafttechnik studieren dürfen. 

Der Kompromiss umfasse auch Inspektionen der iranischen Atomanlagen durch UN-Kontrolleure, hieß es von Diplomaten. Der Zugang der Kontrolleure solle aber nicht überall und jederzeit möglich sein. Iran habe das Recht, die Inspektionen auch zu verzögern. Das staatliche iranische Fernsehen bestritt, dass Inspektionen möglich sein sollen.

Ziel der Gesprächspartner war ein Pakt, der dem Iran die zivile Nutzung der Atomtechnik erlaubt, aber die Entwicklung von Atomwaffen verhindert. Zuletzt waren noch Punkte offen wie der Zeitplan für die Aufhebung der Sanktionen und die Laufzeit des gesamten Abkommens.

Das Verhandlungsergebnis sei ein Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif ergänzte: "Wir starten ein neues Kapitel der Hoffnung." Er sprach von einem historischen Moment. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte die Hoffnung, dass das Abkommen im gesamten Mittleren Osten die Verständigung und Zusammenarbeit erleichtere. 

Der frühere schwedische Premier Carl Bildt merkte auf Twitter an, das Komitee für den Friedensnobelpreis in Norwegen habe es dieses Jahr sicherlich leichter, den Preis zu vergeben. Damit wies er indirekt auf den Kreis der Verhandlungsteilnehmer hin.   

Die finale Verhandlungsphase hatte vor 17 Tagen begonnen. Wegen anhaltender Differenzen war die eigentlich zum 30. Juni terminierte Verhandlungsrunde mehrmals verlängert worden. Die Atomverhandlungen gehören schon jetzt zu den längsten internationalen Verhandlungen auf Ministerebene an einem Ort.

Israel kritisierte das Abkommen als "Lizenz zum Töten". Die Regierung in Jerusalem hatte die Verhandlungen mit Erzfeind Iran mit Argwohn beobachtet. Premier Benjamin Netanjahu beklagte gegenüber US-Präsident Barack Obama, die Existenz Israels sei durch eine Einigung gefährdet. Die Regierung in Jerusalem schloss Militärschläge gegen iranische Atomanlagen nicht aus. Israel soll zudem versucht haben, US-Kongressmitglieder dahingehend zu beeinflussen, die notwendige Zustimmung zu dem Abkommen zu verweigern.      

Die Einigung in Wien hatte sich über viele Stunden angebahnt: Das iranische Innenministerium wies örtliche Behörden an, sich auf Freudenfeiern vorzubereiten.

Die deutsche Wirtschaft rechnet nach der Einigung mit guten Geschäften. "Innerhalb von zwei Jahren können sich unsere Exporte dorthin auf rund fünf Milliarden Euro verdoppeln", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier.

Atomstreit - So wird Uran angereichert