Ungarn hat mit dem Bau eines umstrittenen Zauns an der Südgrenze zu Serbien begonnen. Mit dem Zaun soll die illegale Einwanderung von Flüchtlingen eingedämmt werden. Soldaten hätten zwischen der ungarischen Stadt Mórahalom und der serbischen Stadt Subotica angefangen, an einem 150 Meter langen "Musterabschnitt" zu arbeiten, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Ministerien für Inneres und Verteidigung. Dort bereiteten ein Bulldozer und andere schwere Maschinen den Boden für die Errichtung vor.

Nach Plänen der rechtsnationalen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán soll der vier Meter hohe Zaun letztlich die gesamte 175 Kilometer lange serbisch-ungarische Grenze absperren. Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó hatte gesagt, der Zaun würde zunächst in acht bis zehn Gegenden gebaut werden, die "dem Einwanderungsdruck am meisten ausgesetzt" seien.

Die Ministerien schrieben, im Durchschnitt träfen in Ungarn täglich 1.000 Menschen ein, die illegal die Grenze überquerten. Illegale Einwanderung sei zu einem ernsten Problem geworden. Regierungssprecher Zoltán Kovács sagte, der Bau des Zauns finde "in Einklang mit den ursprünglichen Absichten und Zeitplan statt". Die Absperrung ist als vorübergehende Maßnahme gedacht.

Seit Jahresanfang haben rund 80.000 Migranten und Flüchtlinge Ungarn erreicht. Auf die Einwohnerzahl gerechnet ist das der zweithöchste Wert in Europa. Etwa 80 Prozent davon stammen aus den von Krieg betroffenen Ländern Syrien, dem Irak und Afghanistan. Die meisten von ihnen beantragen Asyl, ziehen aber schnell in andere, wohlhabendere EU-Länder wie Deutschland und Schweden weiter, ehe ihr Antrag bearbeitet ist. Dennoch hatte Orbán zuletzt eine aufwendige Plakatkampagne mit ausländerfeindlichen Aussagen gestartet. Kritiker werfen Orbán deshalb Populismus vor.