Die chinesische Journalistin Zhang Miao ist neun Monate nach ihrer Verhaftung entlassen worden. Sie sei in Peking auf freien Fuß gesetzt worden, bestätigte ihre Familie. "Es scheint ihr gut zu gehen", sagte ihr Bruder. Zhang war im Oktober 2014 festgenommen worden, als sie der ZEIT- Korrespondentin Angela Köckritz half, über die Proteste für freie Wahlen in Hongkong zu berichten.

Zhang war im Oktober in Peking auf dem Weg zu einer Dichterlesung zur Unterstützung der prodemokratischen Demonstrationen in Hongkong festgenommen worden. Ihr wurde Erregung öffentlichen Ärgernisses vorgeworfen. Die Behörden hätten sich jetzt aber entschieden, keine Anklage zu erheben, sagte ihr Anwalt Zhou Shifeng. Er hatte argumentiert, dass die Staatsanwälte Beweise gegen die Journalistin unter Zwang und Folter gesammelt hätten, die als illegal zu betrachten würden.

Der Anwalt hatte am Donnerstag noch gemeinsam mit Zhang ein Pekinger Hotel bezogen, wurde in der Nacht dann aber von Unbekannten aus seinem Zimmer geholt, berichtete Zhangs Bruder. In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass Anwälte festgehalten wurden, damit sie keine öffentlichen Erklärungen abgeben konnten. "Drei Menschen haben Anwalt Zhou weggebracht, sie haben seinen Kopf verhüllt", sagte ein Freund der Familie, der nach eigenen Angaben die Festnahme miterlebte.      

Bundesjustizminister Heiko Maas begrüßte die Freilassung Zhangs. Er freue sich, dass die chinesische Journalistin endlich frei sei, sagte der SPD-Politiker. "Das zeigt: Wir dürfen nicht aufhören, solche Fälle zu thematisieren." 

Der Minister, der diese Woche an einem deutsch-chinesischen Rechtssymposium in Peking teilgenommen und politische Gespräche geführt hatte, fügte hinzu: "Wir müssen den Druck in Menschenrechtsfragen aufrechterhalten." Dafür brauche es einen funktionierenden Dialog mit China. Auch die deutsche Botschaft begrüßte die Freilassung Zhangs. "Wir sind erleichtert, dass es endlich zur Haftentlassung gekommen ist."

Zhangs Festnahme hatte die gefährliche Lage für Journalisten in China aufgezeigt, die für ausländische Medien berichten. Sie werden oft durch die Polizei verfolgt und sind Einschüchterungen ausgesetzt. Auch Köckritz hatte sich nach der Verhaftung ihrer Mitarbeiterin unter Druck gesetzt gefühlt und das Land verlassen. In einem Dossier hatte sie für ZEIT ONLINEberichtet, wie ihre Assistentin in die Mühlen von Pekings Staatssicherheit geriet