Das westafrikanische Kamerun verschärft seinen Kurs gegen Flüchtlinge aus dem Nachbarland Nigeria – angeblich aus Angst vor weiteren Terrorangriffen durch die nigerianische Islamistengruppe Boko Haram. Nach übereinstimmenden Angaben hat Kamerun bereits mehr als 2.000 Nigerianer aus der Grenzstadt Kousseri ausgewiesen. Die meisten waren selbst vor den Gewalttaten von Boko Haram über die Grenze nach Kamerun geflohen, wie eine örtliche Nichtregierungsorganisation berichtete.


"Kamerun und Nigeria beschließen gemeinsam aktiv zu werden, um die Plage Boko Haram zu beenden", schrieb Kameruns Präsident Paul Biya unterdessen auf Twitter. Er hatte sich vergangene Woche zu Gesprächen über die terroristische Bedrohung mit Nigerias Präsident Muhammadu Buhari in Jaunde getroffen. Ob die Ausweisungen abgesprochen waren, ist nicht bekannt.

Indem er die Nigerianer im Land unter einen Generalverdacht stellt, schlägt Biya einen ähnlichen Kurs ein wie sein kenianischer Amtskollege. Auch Uhuru Kenyatta führt seinen Kampf gegen die somalische Terrormiliz Al-Shabaab zunächst gegen die Somalier im eigenen Land. Nairobi kündigte den Bau einer Grenzmauer an und verlangte von den Vereinten Nationen, das größte Flüchtlingslager im Land aus Sicherheitsgründen binnen drei Monaten zu schließen und nach Somalia zu verlagern.

Inzwischen seien bereits mehr als 600 Flüchtlinge in Nigeria eingetroffen, sagte der Koordinator der Rettungskräfte, Mohammed Kanar. Die Identität der Menschen werde an der Grenze kontrolliert, um sicherzustellen, dass sich "kein Aufständischer" von Boko Haram unter ihnen befinde. Die Flüchtlinge würden dann in Lastwagen weitertransportiert. Die Wochenzeitung L'Oeil du Sahel veröffentlichte Fotos von Lastwagen, auf denen Hunderte Menschen zusammengepfercht waren.

Die Ausweisungen der Flüchtlinge sei "ganz klar" eine Konsequenz aus den verstärkten Aktivitäten der Islamisten in Kamerun, sagte Rettungskoordinator Kanar weiter. Er rechne damit, dass noch "eine sehr große Zahl" von Menschen über die Grenze nach Nigeria zurückkehren werde.

Boko Haram greift auf Nachbarländer über

Zwischen dem 12. und 25. Juli hatte es in der kamerunischen Grenzstadt Maroua drei Selbstmordanschläge mit Dutzenden Toten gegeben. Seit den Anschlägen hätten die Behörden den Ton gegenüber den Flüchtlingen verschärft. Kousseri liegt auf der Ostseite des schmalen kamerunischen Korridors zwischen Nigeria und dem Tschad. Die Stadt ist strategisch bedeutsam, da sie nur eine Brücke von der tschadischen Hauptstadt N'Djamena jenseits der Grenze zum Tschad trennt. N'Djamena wurde im Juni ebenfalls zwei Mal von Selbstmordanschlägen erschüttert.

Boko Haram kämpft seit sechs Jahren in Nigeria für die Errichtung eines islamischen Staats, schätzungsweise 15.000 Menschen kamen in dem Konflikt ums Leben. In den vergangenen Monaten weiteten die Extremisten ihre Angriffe auch auf die Nachbarländer Kamerun und Tschad aus.