Nach der Grenzöffnung zwischen Griechenland und Mazedonien sind allein in der Nacht zu Sonntag erneut mehr als 7.000 Flüchtlinge von Mazedonien nach Serbien gelangt. Hunderte Menschen warteten noch an der Grenze, mit weiterem Andrang sei zu rechnen, teilte das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR in Genf mit. Mazedonien habe zugesichert, seine Grenzen für die Flüchtlinge geöffnet zu lassen.

Das UNHCR forderte die mazedonischen Behörden auf, mehr Personal an den Grenzübergängen einzusetzen, um Empfang und Weiterreise der Flüchtlinge besser organisieren zu können. Die UN-Organisation erklärte sich zugleich zur Unterstützung bereit. In Serbien verteilten UN-Hilfsorganisationen bereits Nahrungsmittel an die Migranten. Auf Bitte der serbischen Regierung wurde auch die Lieferung von Matratzen und Zelten geprüft.

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) rief zu einer besseren Zusammenarbeit und gemeinsamen Anstrengungen bei der Flüchtlingshilfe auf. In den kommenden Tagen sei mit einem "dramatischen Anstieg" von von den griechischen Inseln auf das europäische Festland drängenden Flüchtlingen zu rechnen.

Paris und Berlin fordern gemeinsame europäische Antwort

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) denkt angesichts des Streits um eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge darüber nach, wieder Grenzkontrollen einzuführen. Herrmann sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagausgabe) laut Vorabbericht: "Wer jetzt nicht handelt, setzt die Reisefreiheit in Europa aufs Spiel und hat es mit zu verantworten, wenn Deutschland sich gezwungen sähe, Grenzkontrollen wieder einzuführen."

Ziel sei es zwar, Freizügigkeit und Reisefreiheit in Europa zu erhalten. Dies sei aber nur möglich, wenn sich alle Mitgliedstaaten an die gemeinsamen Regeln hielten, so der CSU-Politiker. "Wenn Abertausende Menschen mit dem Hauptziel Deutschland völlig unkontrolliert und ungesteuert über die griechische oder die italienische Grenze nach Europa strömen, funktioniert das System nicht mehr und verliert seine Akzeptanz."

Deutschland und Frankreich kündigten im Vorfeld eines Treffens in Berlin an, sich für eine gemeinsame europäische Linie einsetzen zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident François Hollande wollten bei dem Treffen am Montag "neue Impulse" für eine gemeinsame europäische Antwort auf die Flüchtlingskrise geben, hieß es aus dem Elysée-Palast. Die bislang gefällten Entscheidungen der EU seien nicht ausreichend, die Krise werde sich nicht "von selbst" beenden.

Deutschland stellt sich für 2015 auf 800.000 Asylbewerber ein

Als vorrangig betrachten Berlin und Paris dabei den Angaben zufolge auch einheitliche Haltungen dazu, welche Staaten als "sichere Herkunftsländer" eingestuft werden. Bislang legt dies jedes EU-Mitglied selber fest, besonders mit Blick auf die Balkanländer gibt es sehr unterschiedliche Regelungen.

Beschleunigen wollen Merkel und Hollande auch die Einrichtung von Aufnahmezentren und die Identifizierung von berechtigten Asylbewerbern und illegalen Migranten bereits in Italien und Griechenland, wo derzeit die meisten Flüchtlinge eintreffen. Es sei nötig, "an allen Fronten gleichzeitig" voranzukommen, hieß es in Paris.

Seit Jahresanfang sind allein an den italienischen Küsten mehr als 100.000 Flüchtlinge aus Afrika, dem Nahen Osten und Südasien angekommen. Deutschland stellt sich auf bis zu 800.000 Asylbewerber in diesem Jahr ein.

Viele Flüchtlinge haben in den letzten Tagen versucht, von Griechenland nach Mazedonien zu gelangen. Von dort brachten sie Züge an die serbische Grenze: