Der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hat sich für eine grundlegende Erneuerung von EU und Eurozone ausgesprochen. "Der Status quo führt in die Selbstzerstörung", sagte er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. "Meine Generation muss Europa von Grund auf erneuern. (...) Wir stehen vor der Frage: Wollen wir die Neugründer Europas sein – oder seine Totengräber?" 

Europa habe seine Richtung und seinen Sinn verloren, sagte Macron weiter. "Die Menschen nehmen nur noch eine riesige Bürokratie wahr, ohne Vision und politisches Ziel." Auch der Euro erscheine vielen nur noch als Selbstzweck. "So wie bisher darf es nicht weitergehen." 

Dabei habe Europa ein "einzigartiges Gesellschaftsmodell", das individuelle Freiheit mit sozialer Gerechtigkeit verbinde und sich daher klar vom US-amerikanischen oder chinesischen Modell unterscheide. Macron fordert daher, jetzt Ziele für Europa festzulegen, auf dass die Union ab 2018 auf einem neuen Fundament stehe.

Eurozone ohne Finanzausgleich am Ende

Dazu müssten einige Länder über ihren Schatten springen, von Deutschland verlange das "Tabubrüche": "Falls die Mitgliedstaaten wie bisher zu keiner Form von Finanztransfer in der Währungsunion bereit sind, können wir den Euro und die Eurozone vergessen." Weiter sagte er: "Eine Währungsunion ohne Finanzausgleich – das gibt es nicht! Die Starken müssen helfen."

Macron konkretisierte zudem Vorschläge des französischen Präsidenten François Hollande, in der Eurozone eine "Wirtschaftsregierung" zu errichten. Dazu würde er einen neuen "Eurokommissar" installieren wollen, der die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik der Euroländer koordinieren soll: "Die Euroregierung würde geführt von einem Kommissar mit weitreichenden Befugnissen."

Emmanuel Macron ist studierter Philosoph, Ex-Banker, Millionär und war Berater des französischen Präsidenten. Seit 2014 ist er neuer Wirtschaftsminister in Frankreich. Er ersetzt Arnaud Montebourg, der mit seiner scharfen Kritik am Sparkurs der Regierung den Bruch derselben provoziert hatte. Macron gilt als linksliberal und unternehmerfreundlich.