Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben sich auf Ziele geeinigt, um gemeinsam auf eine gerechte und nachhaltige Entwicklung hinzuarbeiten. Nach dem Erfolg der sogenannten Millenniums-Entwicklungsziele sollen die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) bis 2030 gelten. Vertreter der 193 UN-Staaten verständigten sich in New York auf einen Katalog mit 17 Zielen, die Ende September auf einem Gipfel in New York von den Staats- und Regierungschefs aus aller Welt verabschiedet werden.

"Das ist wirklich ein historischer Augenblick", sagte der kenianische UN-Botschafter Macharia Kamau, dessen Land gemeinsam mit Irland die Gespräche geleitet hatte. Vertreter von Nichtregierungsorganisationen schlossen sich an. "Heute hat die Welt einen großen Schritt auf dem Weg gemacht, in Frieden mit der Natur zu leben", sagte Deon Nel von WWF International. "Wir gratulieren den Verhandlungspartnern für ihr mutiges Handeln. Dies ist ein wichtiger Schritt für unseren Traum von einer Welt, in der die Menschen, Naturschutz und Wohlstand zusammenkommen."

Mit den ehrgeizigen SDG verpflichten sich die Länder, innerhalb der nächsten 15 Jahre "die Armut überall auf der Welt und in jeder ihrer Formen" und den Hunger zu beseitigen. Derzeit muss eine Milliarde Menschen weltweit, vor allem in Afrika und Asien, mit weniger als 1,25 Dollar (1,14 Euro) pro Tag auskommen. Weiter wollen sie allen Menschen Zugang zu sauberem Wasser und einer vernünftigen Toilette garantieren. Überall auf der Erde sollen Jungen und Mädchen eine kostenlose Grundschulbildung bekommen. Eine Benachteiligung von Frauen und Mädchen soll es nicht mehr geben und jeder Mensch soll Zugang zu verlässlicher, umweltschonender Energie bekommen.

Außerdem soll der Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung verbessert und die Gleichberechtigung der Geschlechter vorangetrieben werden. Das Programm ruft zudem zu "nachhaltigen Produktionsweisen und Konsum" auf und wirbt für "friedliche und für alle offene Gesellschaften". 

Als Ziel Nummer 13 wird der Kampf der Staatsregierungen gegen den Klimawandel und dessen Folgen genannt. In diesem Zusammenhang wurde die Bedeutung der Verhandlungen über ein verbindliches internationales Klimaschutzabkommen hervorgehoben, die im Dezember bei der UN-Klimakonferenz in Paris zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden sollen. In Paris müsse "ein ehrgeiziges und umfassendes Klima-Abkommen" vereinbart werden, heißt es in dem nun vorgelegten Aktionsplan.

Die 17 Ziele sollen ab dem 1. Januar 2016 gelten. Ihre Umsetzung ist freiwillig und jeder Staat entscheidet selbst über die Maßnahmen zur Erreichung der Ziele. Allerdings soll die Umsetzung anhand fester Indikatoren regelmäßig überprüft werden.

Im September wollen die Vereinten Nationen neue Entwicklungsziele verabschieden. Sie sollen auch für die reichen Industriestaaten gelten, nicht nur für die Armen – ein Paradigmenwechsel. Wir stellen jede Woche ein Ziel vor. Ein Klick auf das Bild bringt Sie zur Übersicht.

Entscheidend ist die Finanzierung. Bei einer internationalen Konferenz in Addis Abeba hatten die Teilnehmer Mitte Juli festgestellt, dass für die Umsetzung nachhaltiger Entwicklung in den kommenden 15 Jahren 2,5 Billionen Dollar nötig seien. Die Privatwirtschaft soll einen Großteil dieser Gelder bereitstellen.

Vorgänger-Ziele waren in Ansätzen erfolgreich

Mit den Vorgängern der SDG, den Millenniumsentwicklungszielen, hatten sich die UN-Staaten im Jahr 2000 unter anderem verpflichtet, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren. Außerdem sollte jedes Kind eine Grundschulbildung bekommen, die Kindersterblichkeit um zwei Drittel gesenkt und Frauen und Mädchen gleichberechtigt werden. Auch der Kampf gegen Krankheiten und Klimawandel waren Teil der acht Ziele, für die zum Teil das Jahr 1990 als Vergleichsbasis gewählt wurde.

Tatsächlich hat sich die Zahl der Menschen, die am Tag mit 1,25 Dollar auskommen müssen, den UN zufolge in den letzten 25 Jahren von 1,9 Milliarden auf 836 Millionen mehr als halbiert. Die Kindersterblichkeit ging zurück um etwas mehr als die Hälfte von 90 auf 43 Tote je 1.000 Kindern unter fünf Jahren. Die Müttersterblichkeit sank um 45 Prozent. Bessere Prävention und Betreuung hätten den Tod von 6,2 Millionen Menschen durch Malaria und 37 Millionen durch Tuberkulose verhindert. Auch bei der Beteiligung von Mädchen und Frauen seien "dramatische Fortschritte" gemacht worden.